An einem eisigkalten und nebligen Novembertag besuchte ich diesen mir bis dahin unbekannten Lost Place. Zu dieser Zeit hatte gerade der Verein (siehe unten) die Arbeiten an den Gebäuden begonnen, wie man sieht. Durch viel Glück und nettes Fragen durfte ich auch auf das ansonsten nicht so zugängliche Gelände.
Die ehemalige Großherzogliche Landesirrenanstalt Domjüch (ab 1934 Heil- und Pflegeanstalt Domjüch) am Westufer des Domjüchsees bei Neustrelitz blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück, die von medizinischem Fortschritt, den Gräueln des Nationalsozialismus, militärischer Zweckentfremdung und dem heutigen Verfall geprägt ist.
Vorgeschichte und Bau (1899–1902)
Zuvor wurden psychisch Kranke im alten Strelitzer Gefängnis gemeinsam mit Strafgefangenen unter verheerenden Bedingungen weggesperrt. Um dies zu beenden, begann 1899 der Neubau einer eigenständigen Heilanstalt im Pavillonstil direkt am abgelegenen Domjüchsee. Am 21. August 1902 wurde die Klinik eröffnet und bot Platz für rund 200 Patienten. Unter dem ersten Leiter Dr. Carl Serger wurde auf Zwangsmittel verzichtet. Stattdessen setzte man auf revolutionäre Ansätze wie Dauerbäder und Arbeitstherapie in der eigenen Landwirtschaft.
Die Anlage und ihre wechselhafte Geschichte
Zum denkmalgeschützten Bauensemble gehörten das Haupt- und Verwaltungsgebäude, vier Krankenhäuser, ein Maschinenhaus mit Wasserturm sowie ein Wirtschaftshof. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten endete der humane Behandlungsansatz abrupt. Die Klinik wurde radikal in das System der Rassenhygiene und Krankenmorde eingegliedert. Auf Basis des NS-Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses wurden über 100 Patientinnen und Patienten unfruchtbar gemacht. Auch in der Aktion T4 / "Euthanasie" spielte die Einrichtung eine wesentliche Rolle. Domjüch fungierte als Sammel- und Durchgangsstation für Transporte in die Heil- und Pflegeanstalt Sachsenberg und die NS-Tötungsanstalt Bernburg. Allein am 11. Juli 1941 wurden rund 100 psychisch kranke und behinderte Menschen von Domjüch nach Bernburg deportiert und dort mittels Gas ermordet.
Im Jahr 1943 wurde die Psychiatrie aufgelöst und die Anlage zu einem Tuberkulose-Krankenhaus umfunktioniert.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte die Rote Armee im Jahr 1945 das Gelände. Bis zum Abzug der sowjetischen Truppen 1993 wurde das Areal streng abgeschirmt als Kaserne genutzt. Dafür wurden im Park massive Unterkunftsgebäude errichtet und historische Räume stark zweckentfremdet. Nach 1993 standen die historischen Gebäude leer und fielen Vandalismus, Brandstiftung und dem natürlichen Verfall zum Opfer. Seit 2010 kümmert sich der Verein zum Erhalt der Domjüch e.V. um das Gelände: Die sowjetischen Plattenbauten wurden abgerissen und die alten Klinkerbauten notdürftig gesichert. Das Gelände dient heute als Mahnmal für die NS-Euthanasieopfer sowie als lebendiger Ort für Ausstellungen, Führungen und kulturelle Veranstaltungen im Grünen.
































































