Am Rand eines Werftgeländes, eingeklemmt zwischen Bahnlinie und Gebäuden der Fachhochschule Kiel, steht dieser recht gut erhaltene Luftschutzbunker. Im Innern sieht es aufgeräumt aus. Den Beschriftungen entnimmt man unschwer, dass er lange Zeit als Lagerraum diente. Aus der Zeit als Bunker sind viele Inschriften noch tadellos erhalten:
"Psst! Feind hört mit" und
"Deutscher! Denke und schweige!"
sind nur zwei der damals gängigen (Propaganda-) Sprüche. Der zweite Spruch wirkt unfreiwillig komisch, denn "denkende Deutsche" war ja nun das Letzte, was die NS-Machthaber gebrauchen konnten.
Der Bunker war durch ein zufällig geöffnetes Tor und einen Weg jenseits der Bahnschienen gut erreichbar. Die Nutzung war wohl schon lange aufgegeben. Noch heute steht er da, seit nun fast 90 Jahren.
Etwa 100 Meter weiter südlich steht ein weiterer Bunker, der saniert wurde und durch die Fachhochschule Kiel genutzt wird. Beide Bunker wurden 1941 - 1943 nach identischen Bauplänen als Werkluftschutzbunker für die Belegschaft der HDW errichtet. Sie sollten sicherstellen, dass die Arbeiter bei Bombenalarmen die Produktionshallen extrem schnell verlassen und Schutz finden konnten.
Während der Bunker der Fachhochschule nach dem Krieg nur im Inneren und an den Flanken teilgesprengt („entfestigt“) wurde, traf es den nördlichen Zwillingsbunker härter: Er wurde an einer Frontseite komplett aufgesprengt. Da der massive Stahlbetonklotz trotz der Sprengung statisch extrem stabil blieb und ein vollständiger Abriss zu teuer war, nutzte ihn die Howaldtswerft nach dem Krieg jahrzehntelang schlicht als Material- und Gerätelager.
Im Gegensatz zum sanierten Bunker der Fachhochschule wurde dieser Zwilling im Zuge des FH-Campus-Ausbaus nicht modernisiert. Das Gebäude wurde in seinem Ruinenzustand notdürftig gesichert und steht bis heute als stummer Zeuge der Industriegeschichte und der Nachkriegsdemontage ungenutzt auf dem Areal nahe der Grenzstraße.