Chemiefabrik in Aalst
Chemiefabrik in Aalst

Eigentlich ist das keine Chemiefabrik, sondern das Areal der ehemaligen Groß-Gerberei und Fabrik Schotte & Fils im Ortsteil Erembodegem direkt an der Dender. Obwohl es eine Lederfabrik war, wurde sie aufgrund der massiven chemischen Prozesse (Gerbung, Färbung) und der schweren Bodenkontamination im Volksmund sowie in Urban-Exploration-Kreisen oft fälschlicherweise als "Chemiefabrik" bezeichnet. Der asbestbelastete Abriss und die Bodensanierung starteten im November 2011, die endgültige Sprengung und der Abriss der Hallen folgten 2013.

Die Gerberei wurde 1921 von Pierre-Joseph Schotte gegründet. Da der Gerbprozess Unmengen an Wasser verschlang, wählte man ein sumpfiges Gelände direkt am Fluss Dender und der Bahnlinie Brüssel–Aalst. Das Areal musste zuvor tonnenweise mit Asche und Schutt aufgeschüttet werden. In Hochzeiten verarbeiteten Hunderte Arbeiter Tierhäute zu feinstem Leder für Luxusgüter wie Handtaschen.

Durch den Einsatz von Chromsalzen, Säuren und Schwermetallen bei der Ledergerbung sickerte über Jahrzehnte ein hochgiftiger Chemie-Cocktail in den Untergrund. Durch die asiatische Billigkonkurrenz und veraltete Anlagen meldete das Traditionsunternehmen 1997 endgültig Insolvenz an. Danach passierte 14 Jahre lang fast nichts: Die Fabrik verrottete, Dächer stürzten ein und die Natur holte sich die Hallen zurück. Wegen der spektakulären Kulisse aus alten Gerb-Bottichen, Laborresten und den charakteristischen Fabrikschornsteinen entwickelte sich das Areal zu einem der bekanntesten westeuropäischen Hotspots für Urban Explorer.

Da das Gelände eine hochgradig kontaminierte Industriebrache (Brownfield) mitten in der Stadt war, übernahm die flämische Abfallbehörde OVAM das Ruder. Im November 2011 rückten die Sanierungsteams an, um das Areal komplett zu entkernen und riesige Mengen gefährlichen Asbest zu entfernen. 2013 folgte der großflächige Abriss der Fabrikhallen. Eigentlich sollten auch die alten Backsteinschornsteine fallen. Nach heftigen Protesten von Kultur- und Denkmalschutzvereinen lenkte die Stadt Aalst ein und ließ die ikonischen Schornsteine als historische Landmarken stehen.

der verseuchte Boden komplett abgetragen oder versiegelt wurde, baute die Stadt auf dem Gelände ein hochmodernes Sportzentrum. Im Dezember 2016 wurde der Sportkomplex Schotte feierlich eröffnet. Wo früher giftige Chemikalien flossen, befinden sich heute Sporthallen, ein Gymnastikzentrum und Eventflächen.

Die Galerie:

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