Die Ziegelei in Parey (Elbe)
Die Ziegelei in Parey (Elbe)

Lohnenswert für einen Kurztrip! Die ehemalige Ziegelei in Parey (Elbe) ist ein besonders interessantes Zeugnis der regionalen Ziegelindustrie des 19. und 20. Jahrhunderts. Gemeint ist vor allem die heute als Hoffmannscher Ringofen Parey bekannte Anlage an der Güsener Straße bzw. am Elbe-Havel-Kanal. Sie steht als technisches Denkmal unter Schutz, ist allerdings stark verfallen. 

Entstehung der Ziegelindustrie in Parey

Parey entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einem wichtigen Standort der Ziegelproduktion. Ursache waren vor allem die reichen Ton- und Lehmvorkommen der Elbe-Havel-Niederung. Gleichzeitig boten die Wasserwege hervorragende Transportmöglichkeiten. Bereits 1840 wird eine Ziegelei in Parey erwähnt. Im weiteren Verlauf nahm die Zahl der Betriebe stark zu. Für den früheren Kreis Jerichow II werden 1838 bereits 44 Ziegeleien genannt; bis 1885 stieg ihre Zahl auf 132. In Parey selbst entstanden im Laufe des 19. Jahrhunderts zahlreiche Anlagen – Quellen nennen je nach Zählweise bis zu 16 Ziegeleibetriebe. (vimudeap.info)

Eine wichtige Voraussetzung war der Ausbau des Ihlekanals zwischen 1865 und 1871. Dadurch konnten Brennstoffe und später auch die fertigen Ziegel günstig per Schiff transportiert werden. Der entscheidende Absatzmarkt war insbesondere Berlin, wo die rasch wachsende Stadt enorme Mengen an Ziegeln für Wohn- und Industriebauten benötigte. 

Die Ziegelei Seeger

Die Geschichte der heute noch sichtbaren Anlage beginnt mit der Familie Seeger. Am 1. Mai 1865 wurde öffentlich bekanntgegeben, dass der Ackermann Friedrich Seeger auf seinem Grundstück südlich des Dorfes eine Ziegelei errichten wollte. Zunächst entstand dort ein einfacher Einkammerofen.  Mit dem wachsenden Bedarf wurde der Betrieb modernisiert. Besonders wichtig war der Bau des Hoffmannschen Ringofens Ende der 1880er Jahre. Die Konzession für den Bau wurde am 4. April 1888 durch den Kreisausschuss Jerichow II erteilt; August Seeger erhielt sie am 18. April. Im Oktober 1891 bestand die Ziegelei bereits aus einem Hoffmannschen Ringofen, einem Meisterhaus, vier Ziegelscheunen, vier Trockenschuppen und zwei Tonschneidern. Damit war aus der ursprünglichen kleinen Feldziegelei ein leistungsfähiger industrieller Betrieb geworden. 

Warum gerade ein Ringofen?

Der Hoffmannsche Ringofen stellte gegenüber den älteren Einzelöfen einen gewaltigen Fortschritt dar. Er besaß mehrere miteinander verbundene Brennkammern, die nacheinander befeuert wurden. Während in einem Abschnitt gebrannt wurde, konnten andere bereits aufgeheizt, abgekühlt oder entladen werden. Dadurch ließ sich der Brennstoff wesentlich effizienter nutzen und eine wesentlich kontinuierlichere Produktion erreichen. Die Pareyer Anlage besaß außerdem ein Maschinenhaus, Tonschneider, Pressen, Lorenbahnen und Trockenschuppen. Der Produktionsablauf lässt sich heute trotz des Verfalls noch erstaunlich gut nachvollziehen.

Der Transport über den Kanal

Die Lage der Ziegelei war für einen Industriebetrieb geradezu ideal: Der Ihlekanal, später der Elbe-Havel-Kanal, verlief unmittelbar an der Anlage vorbei. Auf der Kanalseite befand sich die Beschickungsseite des Ringofens. Brennstoffe konnten per Schiff angeliefert werden; die fertigen Ziegel wurden ebenfalls auf dem Wasserweg abtransportiert. (vimudeap.info) Auch innerhalb der Ziegelei gab es ein ausgeklügeltes Transportsystem:

Tonstich → Feldbahn/Loren → Maschinenhaus → Aufbereitung → Presse → Trocknung → Ringofen → Verladung

Das Rohmaterial wurde teilweise über ein Schmalspurgleis zum Maschinenhaus gebracht. Dort wurde der Ton aufbereitet und unter Ausnutzung des natürlichen Gefälles weiter zur Presse geführt. Die frisch geformten Ziegel kamen anschließend auf Loren in die Trockenschuppen. 

Von der Privatziegelei zur Kreisziegelei

Nach dem Ersten Weltkrieg geriet der Betrieb offenbar zunehmend unter wirtschaftlichen Druck. 1920 kaufte der Kreis die Ziegelei; im Juni 1921 wurde sie wieder in Betrieb genommen. Damit entstand die bis heute bekannte Bezeichnung „Kreisziegelei Parey“. Interessant ist, dass die Anlage anschließend nicht dauerhaft in öffentlicher Hand blieb.

Die Ziegelei Puls

Ab 1937 betrieb Otto Puls die Ziegelei. Sie wurde als „Ziegelei Parey, Inh. Otto Puls“ geführt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Betrieb wieder aufgenommen. Nach Angaben aus der regionalen Ziegeleiforschung wurde die Produktion am 27. August 1945 wieder gestartet. Um 1950 beschäftigte der Betrieb etwa 25 Personen. Mit dem Weggang Otto Puls' aus der DDR änderte sich die Eigentumssituation grundlegend. Am 2. März 1953 wurde die Ziegelei aufgrund der damaligen DDR-Verordnung zur Sicherung von Vermögenswerten "Volkseigentum". 

VEB Ziegelei Parey

Ab 1954 firmierte der Betrieb als VEB (K) Ziegelei Parey/Elbe. 1964 wurde daraus der VEB Ziegelwerke Genthin, Werk Parey. Die Ziegelei war damit in die staatliche Ziegelindustrie der DDR eingegliedert. Die Produktionszahlen von 1957 vermitteln einen guten Eindruck von der Größe des Betriebes:

Erzeugnis Produktion 1957
Klinker ca. 1.625.000 Stück
Hintermauerungsziegel ca. 702.000 Stück
Schmelzklinker ca. 156.000 Stück
Beschäftigte in der Produktion 34

Die Ziegelei war damit keineswegs nur noch ein kleiner handwerklicher Betrieb, sondern ein durchaus leistungsfähiger Industriebetrieb. 

Stilllegung 1977/78

Die Produktion endete Ende 1977 bzw. 1978. Die unterschiedlichen Angaben hängen vermutlich damit zusammen, dass die Produktion bereits Ende 1977 auslief und die endgültige Stilllegung 1978 angesetzt wird. Damit endete eine rund 110-jährige Geschichte dieses Ziegeleistandortes. In Parey hatte die Ziegelindustrie insgesamt wesentlich länger eine Bedeutung. Die Ursachen für das Ende waren unter anderem die Erschöpfung bzw. schlechtere Verfügbarkeit geeigneter Tonlager, zunehmender Konkurrenzdruck, veraltete Produktionsanlagen, sinkende Wirtschaftlichkeit und die Konzentration der Ziegelproduktion auf größere und modernere Werke.

Die regionale Ziegelindustrie war bereits seit dem frühen 20. Jahrhundert stark zurückgegangen. Von den zahlreichen Betrieben des 19. Jahrhunderts überlebten nur wenige bis in die DDR-Zeit.

Das heutige Denkmal

Nach der Stilllegung wurde der Hoffmannsche Ringofen zusammen mit dem Maschinenhaus wegen seiner überregionalen technischen Bedeutung unter Denkmalschutz gestellt. Heute vermittelt die Anlage noch sehr anschaulich den Aufbau einer historischen Ziegelei. Besonders interessant sind der große runde Ringofen, der Schornstein, das Maschinenhaus, Reste der Trockenschuppen, Gleisreste der Feldbahn, die ehemalige Verbindung zum Tonabbau und die Lage unmittelbar am Wasserweg. Von den ursprünglich zahlreichen Trockenschuppen ist allerdings nur noch ein kleiner Rest erhalten. Der Zustand der Anlage hat sich seit der Unterschutzstellung erheblich verschlechtert. Der Denkmalverein Sachsen-Anhalt bezeichnete sie bereits 2018 als dem Verfall preisgegeben. 

Wenn man von der „Ziegelei Parey“ spricht, entsteht leicht der Eindruck, Parey habe nur diesen einen Betrieb gehabt. Tatsächlich war Parey im 19. Jahrhundert ein regelrechtes Ziegelindustriezentrum. Nachgewiesen sind beispielsweise Ziegeleien von Seeger, Lucke, Schwarzlose, von Plotho/Pasche, Köppen, Finck, Voigtländer, Hahn, Stutzer und Netzband. Eine historische Übersicht führt zahlreiche einzelne Betriebe mit Gründungsjahren zwischen 1844 und 1890 auf. (horsthartwig.de)

Die Seeger/Kreisziegelei/Puls/VEB-Anlage ist deshalb vor allem deshalb herausragend, weil dort der Ringofen und Teile der technischen Infrastruktur erhalten geblieben sind. 

Die Galerie:

Die Ziegelei in Parey (Elbe)
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  • Verfasser/in: Geschichtliches mit ChatGPT recherchiert und dann gecheckt, bzw. sprachlich deutlich überarbeitet.