Die Pulverfabrik Kirchmöser, offiziell Königlich-Preußische Pulverfabrik bei Plaue (Havel), war eines der größten Rüstungsprojekte des Deutschen Kaiserreichs während des Ersten Weltkriegs. Obwohl sie nur wenige Jahre Schießpulver produzierte, veränderte sie die bis dahin ländliche Gegend zwischen Plaue und Möser dauerhaft. Aus der Fabrik entwickelte sich später einer der bedeutendsten Eisenbahn- und Industriestandorte Brandenburgs. (Wikipedia)
Der Bau einer Pulverfabrik für den Krieg (1914–1916)
Mit Beginn des Ersten Weltkriegs stieg der Bedarf an Schießpulver und Sprengstoffen sprunghaft an. Am 2. November 1914 beschloss das preußische Kriegsministerium, auf einer weitgehend unbewohnten Halbinsel zwischen Plaue und Möser eine moderne Pulverfabrik zu errichten. Ausschlaggebend waren die günstige Lage an der Bahnstrecke Berlin–Magdeburg, die Anbindung an die Havel sowie die abgeschiedene Lage, die das Risiko für die Bevölkerung bei Explosionen verringerte. (Wikipedia)
Bereits Anfang 1915 begannen die Bauarbeiten. Das Tempo war außergewöhnlich: Innerhalb von etwa einem Jahr entstanden
- rund 400 Fabrikgebäude,
- 172 Wohnungen für Arbeiter und Beamte,
- Verwaltungs- und Laborgebäude,
- ein eigenes Kraftwerk,
- Hafenanlagen,
- ein ausgedehntes Werkbahnnetz,
- Straßen und Brücken.
Als Bauleiter wirkte zeitweise der spätere Architekt Bruno Taut, der durch diese Tätigkeit einer Einberufung zum Militär entging. (Wikipedia)
Eine eigene Industriestadt
Die Pulverfabrik war weit mehr als ein Produktionsbetrieb. Sie bildete praktisch eine eigene Stadt.
Zeitweise arbeiteten dort etwa 4.000 Arbeiter und Beamte und zusätzlich rund 2.000 Kriegsgefangene, die überwiegend schwere Bau- und Transportarbeiten verrichteten.
Mit dem Werk entstanden neue Wohnsiedlungen, Offiziersvillen, Verwaltungsgebäude und soziale Einrichtungen. Auch der heutige Bahnhof wurde 1916 gebaut. Um Verwechslungen mit dem Ort Möser bei Magdeburg zu vermeiden, erhielt der Ort den neuen Namen Kirchmöser. (Wikipedia)
Der Wasserturm – Wahrzeichen Kirchmösers
1916 wurde der bis heute erhaltene 65 Meter hohe Wasserturm fertiggestellt. Er versorgte nicht nur die Fabrik mit Lösch- und Brauchwasser, sondern wurde zugleich zum weithin sichtbaren Wahrzeichen des neuen Industriestandortes. Der Turm zählt heute zu den bedeutendsten technischen Denkmalen Brandenburgs. (Wikipedia)
Produktion
In der Pulverfabrik wurden verschiedene militärische Explosivstoffe hergestellt, darunter
- Schießpulver,
- Schießwolle (Nitrozellulose),
- Nitroglyzerin,
- Bestandteile für Artilleriemunition.
Zum Werksgelände gehörte außerdem ein abgelegenes Feuerwerkslaboratorium, in dem Munition und Zündmittel entwickelt, geprüft und getestet wurden. Aufgrund der Explosionsgefahr waren viele Gebäude durch Erdwälle voneinander getrennt. (mil.brandenburg.de)
Das Ende nach dem Ersten Weltkrieg
Mit der Niederlage Deutschlands 1918 endete die militärische Nutzung abrupt.
Der Versailler Vertrag untersagte die Herstellung von Schießpulver in dieser Anlage. Bereits 1918 wurde die Produktion eingestellt, anschließend mussten Sprengstoffvorräte vernichtet und die Rüstungsanlagen stillgelegt werden. Damit verlor die erst wenige Jahre zuvor errichtete Fabrik ihre ursprüngliche Aufgabe. (Wikipedia)
Vom Pulverwerk zum Eisenbahnwerk
Die umfangreichen Gebäude und Gleisanlagen waren jedoch zu wertvoll, um sie aufzugeben. Deshalb übernahm ab 1919 die Deutsche Reichsbahn große Teile des Geländes.
Es entstand das Reichsbahnausbesserungswerk Brandenburg-West (RAW), das sich zu einem der größten Eisenbahnbetriebe Deutschlands entwickelte. Hier wurden Dampflokomotiven instand gesetzt, später auch Schienenfahrzeuge modernisiert und Gleismaterial gefertigt. Die ehemalige Pulverfabrik wurde damit zum Mittelpunkt eines bedeutenden Eisenbahnstandortes. (Verlassenes.de)
Zweiter Weltkrieg
Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Werk erneut in die Rüstungsproduktion einbezogen. Teile der Eisenbahnanlagen wurden demontiert und sollten in der besetzten Ukraine wieder aufgebaut werden, was jedoch nicht umgesetzt wurde. Stattdessen produzierte das Werk unter anderem Panzer- und Fahrzeugteile. (industrie-kultur-ost.de)
Nachkriegszeit und DDR
Nach 1945 nutzte die Sowjetarmee einen Teil des Geländes als Panzerreparaturwerk und Kaserne. Parallel nahm das Reichsbahnausbesserungswerk den Betrieb wieder auf und entwickelte sich zu einem der wichtigsten Arbeitgeber der Region. Später entstanden auf dem ehemaligen Fabrikgelände weitere Industriebetriebe, darunter das Walzwerk „Willy Becker“. (industrie-kultur-ost.de)
Heute
Seit den 1990er Jahren wurden viele ehemalige Werksgebäude neuen Nutzungen zugeführt oder stehen unter Denkmalschutz. Das frühere Fabrikgelände beherbergt heute Unternehmen der Bahntechnik sowie verschiedene Gewerbebetriebe. Erhalten geblieben sind zahlreiche Bauwerke aus der Zeit der Pulverfabrik, darunter:
- der markante Wasserturm,
- das ehemalige Feuerwerkslaboratorium,
- Verwaltungs- und Wohngebäude,
- Teile des Kraftwerks,
- Hafenanlagen,
- Gleisanlagen und Werkstraßen.
Die Gesamtanlage gilt heute als eines der bedeutendsten Industriedenkmäler Brandenburgs und dokumentiert eindrucksvoll den Wandel von einer Rüstungsfabrik zu einem modernen Industriestandort. (lasa-brandenburg.de)
Unsere Fotos entstanden in dem Komplex der Verwaltungs- und Wohngebäude.



























































