Das ehemalige Feriendorf
Das ehemalige Feriendorf

Kurzer Besuch im Feriendorf! Die Gegend ist traumhaft schön, und ruhig. Ruhig vielleicht aber auch, weil es Mitte November war bei unserem Besuch, nicht gerade die Hochsaison auf Rügen. Erstmals mit an Bord: eine Insta360 X3. Viele der hier gezeigten Bilder sind Standbilder aus dem aufgenommenen Videomaterial. In einem anderen Beitrag über die Insta360 X3 erzähle ich euch (Unsere Insta360 X3 und ihr Zubehör), warum Standbilder aus dem Video und nicht Einzelfotos (was die Kamera ja durchaus kann!).

Das ehemalige Feriendorf des VEB Deutsche Werkstätten Hellerau Dresden in Grabow auf der Halbinsel Zudar im Süden Rügens ist heute ein bekannter Lost Place. Das Ferienobjekt entstand in der DDR-Zeit als betriebseigene Ferienanlage der VEB Deutsche Werkstätten Hellerau Dresden. Die Deutsche Werkstätten Hellerau waren ein bedeutender Dresdner Möbel- und Innenausbaubetrieb. Für die Beschäftigten wurde – wie bei vielen größeren DDR-Betrieben – ein eigenes Ferienobjekt geschaffen.

Die Wahl fiel auf Grabow im Süden der Insel Rügen, unmittelbar an der Küste des Rügischen Boddens auf der Halbinsel Zudar. Die abgelegene Lage war für eine Ferienanlage durchaus attraktiv: viel Natur, Wasser und eine vergleichsweise ruhige Umgebung. Das Feriendorf wurde 1976 eröffnet

Es handelte sich nicht um ein großes, geschlossenes Ferienheim wie beispielsweise die bekannten FDGB-Heime, sondern um ein kleines Feriendorf mit einzelnen Ferienhäusern bzw. Bungalows. Dazu kamen gemeinschaftlich genutzte Einrichtungen. Zum Ensemble gehörten unter anderem zahlreiche kleine Ferienbungalows, ein größeres Bettenhaus, ein Speisesaal bzw. gastronomischer Bereich, Wege und Freiflächen und andere gemeinschaftliche Einrichtungen für die Urlauber.

Die Architektur war typisch für die DDR-Ferienkultur der 1970er Jahre: vergleichsweise einfache, zweckmäßige Gebäude, die auf eine familiäre Nutzung und eine naturnahe Feriengestaltung ausgerichtet waren. Interessant ist die Einbindung in das FDGB-Feriensystem: Der FDGB (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund) organisierte in der DDR einen großen Teil des staatlich gelenkten Erholungswesens. Beschäftigte konnten über ihren Betrieb bzw. die Gewerkschaft Ferienplätze erhalten. Die Plätze waren im Verhältnis zu westdeutschen Urlaubsreisen sehr preisgünstig. Damit war Grabow für viele Beschäftigte der Hellerauer Werke und deren Familien ein regelrechtes Urlaubsziel an der Ostsee. Zeitzeugenberichte und spätere Rückblicke beschreiben die Anlage als Ferienparadies, in dem insbesondere Familien aus Sachsen ihre Ferien verbrachten. 

Das erklärt auch, warum die Anlage trotz ihrer abgelegenen Lage relativ umfangreich war: Sie war Bestandteil der sozialistischen betrieblichen Sozialpolitik. Der Urlaub unterschied sich natürlich deutlich von einem modernen Ferienpark. Im Mittelpunkt standen Baden und Wassersport, Ausflüge auf Zudar und in den Süden Rügens, gemeinsames Essen, Kinderbetreuung und Freizeitangebote, Sport und Spiele und gemeinschaftliches Zusammensein.

Gerade für Familien war das Konzept interessant. Der Betrieb stellte nicht nur die Unterkunft bereit, sondern organisierte gewissermaßen einen kompletten Ferienaufenthalt. Die Ferienplätze waren allerdings keine frei buchbaren Ferienwohnungen im heutigen Sinn. Entscheidend war die Vergabe über Betrieb und Gewerkschaft. Mit der politischen Wende änderte sich die Situation grundlegend. Das Ferienobjekt war eng mit dem DDR-Betrieb und dem FDGB-System verbunden. Mit der deutschen Wiedervereinigung verschwanden die wirtschaftlichen und organisatorischen Voraussetzungen, auf denen das Feriendorf beruhte. 1990 endete der Betrieb. 

Das Besondere an Grabow ist, dass die Anlage anschließend nicht sofort abgerissen oder vollständig umgenutzt wurde. Stattdessen blieb sie über Jahrzehnte weitgehend sich selbst überlassen. Damit begann die zweite Geschichte des Ortes: die Entwicklung vom Ferienparadies zum Lost Place.

Hier liegt ein wichtiger Unterschied zu vielen anderen DDR-Ferienobjekten. Nach 1990 hätten die Gebäude für eine touristische Nutzung grundlegend modernisiert werden müssen. Gleichzeitig war die Lage zwar landschaftlich reizvoll, aber touristisch nicht mit den großen Seebädern Rügens vergleichbar. Hinzu kamen ungeklärte bzw. wechselnde Eigentumsverhältnisse, erheblicher Sanierungsbedarf, veränderte Anforderungen an Ferienunterkünfte, hohe Investitionskosten, naturschutzrechtliche und planungsrechtliche Rahmenbedingungen. Mehrere Versuche, das Gelände neu zu entwickeln, scheiterten bzw. kamen nicht zur Umsetzung. Die Gemeinde beziehungsweise Behörden standen verschiedenen Planungen kritisch gegenüber. 

In den folgenden Jahrzehnten verfielen die Gebäude. Die kleinen Bungalows, das Bettenhaus und die Gemeinschaftsgebäude wurden zunehmend von der Natur zurückerobert. Dächer wurden beschädigt, Fenster gingen zu Bruch und die Innenräume verfielen. Gerade der Umstand, dass die Anlage nicht vollständig abgeräumt wurde, macht Grabow heute besonders interessant. Die ursprüngliche Struktur des Feriendorfes ist noch erkennbar. So lässt sich an dem Gelände beispielhaft nachvollziehen, was mit zahlreichen betrieblichen Ferienheimen und Ferienlagern der DDR nach 1990 geschah.

Neue Pläne für das Gelände?

Das Gelände ist allerdings nicht endgültig abgeschrieben. In den vergangenen Jahren gab es wiederholt Überlegungen, das Areal touristisch oder anderweitig zu entwickeln. Ein neuer Investor unternahm zuletzt einen weiteren Versuch, das Gelände einer sinnvollen Nutzung zuzuführen. Die Planungen sind allerdings mit den örtlichen und naturschutzrechtlichen Rahmenbedingungen abzustimmen. Damit ist die Zukunft des ehemaligen Feriendorfes weiterhin interessant: zwischen DDR-Erinnerungsort, Lost Place und möglicher touristischer Neuentwicklung.

Die Galerie:

Das ehemalige Feriendorf
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  • Verfasser/in: Geschichte mit ChatGPT recherchiert, nachgecheckt und sprachlich erheblich geglättet.