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Kleiner Test: Yongnuo 1:1,8/50 mm (Canon Mount)

Yongnuo an einer EOS 1000DLange schon liebäugelte ich mit dem Kauf eines zusätzlichen Objektives, und zwar einer Festbrennweite. Es boten sich dafür verschiedene Modelle und Hersteller an, und die Entscheidung fiel eine Weile ziemlich schwer. Also erst einmal feststellen: was will ich denn damit überhaupt?

Man muss ja mit der Festbrennweite schon mal auf die Flexibilität des üblicherweise benutzten Zoom verzichten. Stattdessen gibt es einen Bildausschnitt, den der Fotograf nur durch Wechsel seines Standortes (oder durch Postionswechsel seines Motivs) verändern kann.

Dafür aber gewinnt man einiges: im Vergleich zu erschwinglichen Zooms (d.h. deutlich unterhalb der Profi-Klasse) bekommt man zwei bis drei Blendenstufen mehr Lichtstärke. Und wie man als ernsthafter Foto-Amateur wissen sollte: je mehr die Blende offen ist, umso geringer ist der Bereich der Schärfentiefe.

 

Welche Brennweite sollte es sein?

Exkurs: Brennweiten, Begriffe und übliche Werte

Das 35 mm entspricht an einer Kamera mit einem Sensor von APS-C-Größe ungefähr einem Normalobjektiv von 50 mm, bezogen auf Kleinbildformat 24x36. Diese Standardbrennweite war lange Jahre üblich und bewährt. Sie entspricht etwas mehr als der Diagonalen eines 24x36 mm großen Filmnegativs (Wurzel aus 24²+36² = 43,3). Es waren auch Objektive mit 45 mm Brennweite nicht ungewöhnlich, was dieser Berechnung näher kommt. Bei Mittelformatkameras mit 120er Rollfilm (Negativgröße = 60x60 mm) bedeutet es eine Diagonale von 84,9 mm - und siehe da: die Standardbrennweite des Normalobjektivs beträgt bei diesen Kameras 80 mm.

Folgende Tabelle zeigt die rechnerischen und tatsächlichen Standardbrennweiten an:

Film- /Sensorformat

APS-C
22,2 mm x 14,8 mm

Kleinbild, Vollformat (digital)
24 x 36 mm

Mittelformat
60 x 60 mm

Mittelformat
60 x 90 mm
Großformat
4″ × 5″
(exakt: 100 mm × 126 mm)
Standardbrennweite (rechnerisch, gerundet) 26,7 mm 43,3 mm 84,9 mm 108,2 mm 161 mm
Standardbrennweite (übliche Werte) 30 mm 50 mm (für DSLR)
38 ... 45 mm (für Kompaktkameras)
80 mm 105 mm 150 mm

Aus der Tabelle können wir zugleich sehen: was für ein Filmformat ein Normalobjektiv ist, wäre für das nächstkleinere Format schon ein Teleobjektiv und für das nächste Filmformat ein Weitwinkelobjektiv (wobei die Ausprägung dann mit der "Entfernung" steigt: die Normalbrennweite für Großbild- /Fachkameras wäre für die Digitalkamera mit APS-C-Sensor schon ein deutliches Tele).

Verwendungszweck der Brennweiten

Die nächste Tabelle zeigt, bezogen auf Kleinbildformat 24 x 36 mm (oder Vollformat-Bildsensoren), die Brennweiten mit ihrer jeweiligen Bezeichnung /Verwendung:

Brennweite 24 mm 35 mm 50 mm 80 mm 135 mm 200 mm 500 mm
Bezeichnung und Verwendungszweck starkes Weitwinkel
Landschaftsaufnahmen, Innenräume
Weitwinkel
Landschaftsaufnahmen
Normalobjektiv
Allroundgebrauch
Leichtes Teleobjektiv
Porträtaufnahmen
Mittleres Teleobjektiv
Landschaftsdetails, Porträt, oft Makrobereich
Starkes Teleobjektiv
Tiere, weit entfernte Objekte
Extremes Teleobjektiv
Himmelskörper, Tiere (meist als Spiegel-Tele ausgelegt)

Normalobjektive werden auch heute noch in größeren Stückzahlen hergestellt. Als Festbrennweiten kann man sie relativ einfach auf höhere Lichtstärken bringen als ein Zoom, und auch die Abbildungsleistung - was z.B. Farbtreue und Verzerrungen betrifft - ist meist sehr viel besser als bei Zoomobjektiven. Wegen der Stückzahlen sind sie auch noch sehr preiswert. Ein weiterer Vorteil: sie sind klein und leicht, passen also in jeden Fotorucksack hinein.

Ich wählte also für Porträtaufnahmen ein 50 mm-Objektiv aus. Meine Wahl fiel - nicht zuletzt wegen dem erstaunlich niedrigen Preis - nach Lektüre mehrerer Rezensionen auf das Yongnuo 1:1,8/50 mm. (Hersteller-Website)

Testberichte finden sich hier, hier oder hier (um nur drei zu nennen). Für unter 60 € bekommt man also ein erstaunlich gutes Objektiv, das sehr sehr dicht am Original von Canon angesiedelt ist.

Und nun zu meinen Testbildern!

Ich schraubte an einem sonnigen Tag das Objektiv an meine Canon EOS 50D. Im eingangs gezeigten Bild sitzt es an meiner Zweitkamera, einer EOS 1000D. An der großen Kamera wirkt die zierliche Linse wie verloren. Mitgeliefert wird ein seltsamer Tragebeutel (den ich wohl kaum benutzen werde), Vorder- und Hinterdeckel sowie eine Garantiekarte. Wegen der Garantie würde ich die Optik nur bei einem deutschen Händler erwerben; allerdings ist das finanzielle "Risiko" ja nun echt überschaubar. Front- und Hinterlinse sind mit einer Schutzfolie abgedeckt. Das ist fummelig, die abzubekommen! Aber egal, das macht man ja eh nur einmal.

Die Testreihe arbeitete ich mit allen Blendenstufen von 22 bis 1,8 herunter ab. Das Objektiv kennt folgende Abstufungen (hervorgehoben die früher allgemein üblichen Stufen; gelb hinterlegt die Blendenstufen, bei denen die nachstehenden Testbilder aufgenommen wurden):

22 20 18 16 14 13 11 10 9.0 8.0 7.1 6.3 5.6 5.0 4.5 4.0 3.5 3.2 2.8 2.5 2.2 2.0 1.8

Wow: so fein möchte ich das bei allen meinen Objektiven haben! Dafür kriegt das Objektiv schon mal einen dicken Pluspunkt.

Der Autofocus arbeitet nicht sehr leise und ausreichend flott. Von Ende zu Ende fokussiert er schnell genug für mich: mit einer Festbrennweite nehme ich wohl selten "Action" auf, eher komponiere ich die Aufnahme in aller Ruhe.

Nun zu der Schärfe: die EOS 50D ist nun auch ein wenig in die Jahre gekommen, bringt aber immer noch zeitgemäße Bilder zustande. Ich ließ den AF eingeschaltet und arbeitete mich im Modus "Blendenvorwahl" langsam durch die gesamte oben notierte Reihe. Weil die Bilder mit den Einzelstufen sich kaum voneinander unterschieden, zeige ich hier nur eine Auswahl (siehe vorstehende Tabelle, gelbe Markierungen). 

Blende 1,8 und 1/8000 s Vergrößerter Ausschnitt daraus
Blende 2,5 und 1/3200 s Vergrößerter Ausschnitt daraus
Blende 4 und 1/2000 s Vergrößerter Ausschnitt daraus
Blende 8 und 1/500 s Vergrößerter Ausschnitt daraus
Blende 16 und 1/80 s Vergrößerter Ausschnitt daraus
Blende 22 und 1/50 s Vergrößerter Ausschnitt daraus

 Vergleichen wir übereinander die offene Blende 1,8 und eine moderate Blende wie 8, ergibt sich folgendes Bild:

Blende 1,8 - 200% vergrößert
Blende 1,8 - 200% vergrößert
Blende 8 - 200% vergrößert
Blende 8 - 200% vergrößert

 Ich habe natürlich nicht die Möglichkeiten eines Testlabors, aber folgende Wertung der Bildqualität konnte ich aus der Bildreihe für mich festlegen:

Blende: 22 20 18 16 14 13 11 10 9.0 8.0 7.1 6.3 5.6 5.0 4.5 4.0 3.5 3.2 2.8 2.5 2.2 2.0 1.8
meine
Wertung:
2 2 2 1 1 1 1 1 1 1 2 2 2 3 3 3 3 3 4 4 4 5 6

(1 steht für die beste Leistung bei diesem Objektiv, 6 für die schlechteste Leistung - wobei hier die "6" absolut gesehen in der Tat noch eine sehr ordentliche Leistung darstellt!)

Fazit

Für bummelige 60 € bekommt man hier ein sehr ordentliches Objektiv. Mit offener Blende ist das Bild weich und nicht so knackig wie mit mittleren Blendenstufen. Auch die optischen Fehler (Vignettierung etc.) halten sich in Grenzen. Auch andere Testberichte meinen, es stünde dem Original von Canon nur unwesentlich nach. Ob dieses Objektiv nun ein "Plagiat" ist oder nicht, kann dem Benutzer egal sein. Für die Hälfte des Preises, den Canon aufruft, ist man dabei. Bevorzugter Einsatzbereich sind Motive, bei denen es auf Lichtstärke oder geringe Schärfentiefe ankommt.

Schaut es Euch vielleicht im Laden mal an - ich fürchte aber, nicht viele Läden werden es tatsächlich im Sortiment führen (Gewinnspanne ...!). Es bleibt der Weg zum Versandhandel: und wie gesagt, man versenkt im schlimmsten Fall nur wenig Geld ...