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Stätte des Verbrechens - das Konzentrationslager Sachsenhausen

Arbeit macht frei - so lautet der zynische Spruch am Tor der Gedenkstätte

(Die Aufnahmen dieses Artikels entstanden schon 2011 und wurden jetzt ein weiteres Mal überarbeitet)

Wahrscheinlich kann keine Bildbearbeitung und keine Gestaltung wiedergeben, wie grauenhaft dieser Ort ist ... dabei war dieses KZ noch nicht einmal eins der berüchtigten Vernichtungslager. Doch starben auch hier Tausende Verfolgter. Vor ihrem Tod wurden sie grauenhaft gequält und gefoltert. 

KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen

Hinter verfallenen Baracken erhebt sich das Denkmal für die Opfer.

KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen

Auf den Mauern befinden sich noch immer die Stahlträger, an denen der Stacheldraht gespannt war, und auch davon gibt es noch sehr viel ...

KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen

Die Substanz vieler Gebäude und Nebenanlagen bröckelt weg. Aber insgesamt ist schon erstaunlich, wie die Bauqualität gewesen ist: offenbar planten die Nazis tatsächlich, hier noch sehr viel länger ihre Verbrechen fortzuführen.

KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen

Die meisten der Wachtürme sind schon lange zugemauert und können nicht mehr betreten werden.

KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen

Das gilt auch für einige Baracken. Selbst die Gedenkstätten leiden inzwischen sichtbar unter einer deutlichen Verschiebung der Haushaltsmittel. Von dem Kaufpreis eines einzigen Kampfpanzers übrigens könnte man hier und in den anderen Gedenkstätten sehr viel herrichten ...!

KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen

Ein weiterer zugemauerter Wachturm.

KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen

... und auch hier befinden sich noch zahllose Meter Stacheldraht. Heute hält der Stacheldraht - anders als bis 1945 - nicht die Insassen von der Flucht ab, sondern trägt auch einen Teil dazu bei, dass rechtsradikale Verbrecher hier nachts ihren Unfug treiben.

KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen

Das Eingangsgebäude, einst die Kommandantur. In fast allen Lagern sahen die Eingänge so aus: Gebäuderiegel quer über ein Tor, dieses mit einer zynischen Inschrift. Der Spruch "Arbeit macht frei" findet sich nicht nur hier.

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Ein farbiges Mosaikbild erinnert an die Befreiung des Lagers durch die Rote Armee.

KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen

AAn praktisch jeder Stelle ist erkennbar: hier war einst ein schwer gesichertes Lager.

KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen

Der zynische Spruch hatte keinerlei Wahrheitsgehalt. Hier wurde gearbeitet buchstäblich bis zum Tod. Man nannte das auch "Vernichtung durch Arbeit". Oft war diese Arbeit auch noch absolut sinnlos: Loch ausheben, Erde im Laufschritt einen Kilometer transportieren und dort damit ein anderes Loch zuschütten, am nächsten Tag dann in der Gegenrichtung.

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Auf den Lagerstraßen fand eine der wenigen "sinnvollen" Arbeiten statt, sie war aber nicht weniger mörderisch. Auf einer Kreisbahn mußten Häftlinge pausenlos über wechselnde Straßenbeläge marschieren. Dabei wurde der Verschleiß von zu testenden Schuhsohlen gemessen. Das geschah im Auftrag der Wehrmacht, die für ihre Eroberungs- und Vernichtungsfeldzüge haltbare Stiefel brauchte.

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In der Richtung "nach draußen" durchschritt ein Häftling das Tor nur zur Zwangsarbeit (scharf bewacht). Selten wurde einer freigelassen. Juden hatten so gut wie keine Chance, sie verließen das Lager ausschließlich zur Vernichtung. Sachsenhausen war kein Vernichtungslager, die Transporte gingen "in den Osten" (Majdanek, Auschwitz, ...). Auf deutschem Boden gab es kein ausgewiesenes Vernichtungslager, das machte aber die vorhandenen Lager nicht viel besser, weil ständig Transporte zwischen den Lagern stattfanden.

KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen

Es ist nicht mehr bekannt, wie viele Häftlinge die Qualen einfach nicht aushielten und sich absichtlich hier hinein begaben.

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Der Zaun dahinter war elektrisch geladen. Wer hier hineinfiel, hatte nach kurzer Zeit seine Leiden beendet. Diesen Weg gingen einige Häftlinge. Andere wurden auch "zum Spaß" von der SS dazu gezwungen, "in den Draht" zu laufen.

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Dort war sogar Stacheldraht elektrisch geladen. In einer Zeit, als die "Volksgenossen" schon kaum noch Strom für Licht und Radio bekamen, war hier die Versorgung für das Lagerpersonal weiter gesichert.

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Angesichts der vielen Fenster könnte man vermuten, die Baracken seien hell und freundlich. Ist aber nicht so: durch die mehrstöckigen Holzbetten war es innen recht dunkel. Durch die Fenster, nicht nach heutigen Standards gebaut, dürfte es heftig gezogen werden. Ich halte die Doppelfenster, die hier zu sehen sind, ohnehin für einen Nachkriegs-Umbau.

KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen

Steine aus einem Steinbruch, in dem die Häftlingen zehn oder mehr Stunden schuften durften. Dabei hatten es diejenigen vielleicht noch besser, die überhaupt arbeiten durften oder konnten: wer arbeitsunfähig war, stand sowieso schon mit einem Bein "im Transport".

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Auch die "normalen" Lager hatten ihre Hinrichtungsstätten. Dies ist eine davon.

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Auch hier noch ein Überbleibsel von damals, im Hinrichtungsraum. Da werden sich wohl die Henker die Hände drin gewaschen haben ...

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Die originalen Kellerfenster fehlen, die Öffnungen sind mit neuen Gittern versehen worden. Aber der Durchbruch sieht auch so "neu" aus. Vielleicht gab es hier auch keine Fenster, sondern nur Glühlampen? Würde Sinn machen, damit man draußen nichts mitbekommt ...

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Eine weitere Baracke mit einem größeren Schornstein. Ich kriege nicht mehr zusammen, welche das war; im Lager stehen sowieso nur noch sehr wenige Gebäude.

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Hier sieht man sehr gut einen Teil der Kreisbahn, auf dem die Häftlinge pausenlos im Kreis marschieren mußten. Der Straßenbelag wechselte ständig, um die "normale Belastung" eines Wehrmachtsstiefels zu simulieren. Man kann sich vorstellen, dass dies für einen normal ernährten und gesunden Menschen vielleicht ein paar Stunden lang angenehm sein könnte, einfach mal ausdauernd gehen. Aber hier waren die Menschen krank und mies ernährt, dazu kam dauernde Prügel und ständig die Möglichkeit, "auf Transport" zu müssen.

KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen

Durch die fehlenden Baracken sieht man die Mauern und die Wachtürme. Früher standen hier die Baracken dicht an dicht. An zwei Seiten des Lagers befinden sich Wohnsiedlungen, die es damals schon gegeben hat. "Wir haben nichts mitbekommen!" dürfte man nach Mai '45 dort öfter gehört haben.

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Diese Betonwalze diente zu Planierungsarbeiten. Die Häftlinge wurden ja auch noch außerhalb des Lagers eingesetzt. Die Öse an der Deichsel läßt vermuten, die Walze sei an ein Zugfahrzeug angehängt worden. Fehlanzeige: die wurde von Häftlingen ohne Maschinenhilfe bewegt.

KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen

Das Denkmal für die Opfer des Lagers. Hier wird der Toten und Gefolterten aus der Nazizeit gedacht. Eine Gedenkstätte für die Insassen des Sowjetischen Speziallagers Nr. 7 findet sich außerhalb.

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An dieser Stelle stand einst der Galgen. Häftlinge, die gegen die Lagerordnung verstießen oder "einfach so" auf eine Todesliste kamen, konnten auf mehrere Arten zu Tode kommen. Sie wurden im Lager öffentlich erhängt (zur Abschreckung), in ein Vernichtungslager transportiert oder im Hinrichtungsraum u.U. durch Injektionen getötet. Das Erhängen erfolgte nicht durch freien Fall an der Schlinge, wobei der Tod durch Genickbruch noch relativ schnell und schmerzlos eintritt, sondern durch Wegziehen des kleinen Podestes und darauf folgend das langsame Erwürgen des Häftlings.

KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen

Noch ein weiterer Blick auf die Gedenkstätte. Es ist hier gut zu sehen, dass die Besucherin ganz links Blumen dabeihatte, um sie auf die Erinnerungsplatte zu legen!

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Auch die Bäume hat es damals schon gegeben. Nur die Sicht auf den Torbau dürfte durch Baracken versperrt gewesen sein.

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Hier sieht man gut, wie die Wachtürme vollständig zugemauert wurden. Damit sie ihr Aussehen etwas behalten, befindet sich oben eine Art Dach in dem Raum, damit der Turm innen nicht Feuchtigkeitsschäden erleidet. Die "Gabel" auf dem Dach dürfte einen Scheinwerfer getragen haben.

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Eine der zwei langen noch vorhandenen Baracken und das Mahnmal. Die hellen Flächen sind die Grundrisse der inzwischen verschwundenen Baracken.

KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen

Und überall Stacheldraht ... ein sehr düsteres Bild.

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Auch im KZ gab es noch ein Gefängnis. Zwar war das ganze Lager schon schlimmer als ein Gefängnis, aber im "Bunker" war das Leben nochmals um Grade schlimmer.

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Dunkelhaft war dabei nur eine der Foltermethoden der Nazis.

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Durch die Dunkelheit war es kaum möglich, gute Bilder zu machen. Hier eine Rose, die in eine der Zellen gelegt worden ist.

KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen

Das ist das Fundament einer der Baracken. Die seitlichen Querstreben täuschen, es sieht aus wie die Raumaufteilung, war aber nur die Stütze für die hölzernen Fußböden. Allenfalls war ein Raum für den sog. "Kapo" abgeteilt, sonst war alles ein einziger Raum.

KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen

Hier wieder der elektrisch geladene Draht an der nach Südosten zeigenden Einfriedung, dahinter die Mauer. Weil es an der nach NO zeigenden Mauer keinen solche Draht gab, nehme ich mal an, der dahinter liegende Lagerkomplex war für sich noch extra abgesichert, also quasi "Lager im Lager".

KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen

Die Toiletten in einer Baracke. Weil alles unter einem extremen Zeitdruck geschehen musste, war sicherlich frühmorgens hier der Teufel los, denn die Sanitäranlagen reichten längst nicht für alle. Und was mit den an Ruhr Erkrankten passierte, die sich hier auch erleichtern mussten (und den Weg aus der Baracke heraus manchmal auch nicht schafften), mag man sich nicht ausmalen.

KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen

Das sind normale Waschkauen, wie man sie oft auch in alten Kasernenanlagen und Industriebetrieben findet.

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Neonazis setzten 1992 eine Baracke in Brand, dies sind noch die Spuren.

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Zwei nebeneinander stehende Baracken. Dieser Typ hat weniger Fenster als die Baracke weiter oben, aber ebenfalls Doppelfenster.

KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen

Vor dem elektrischen Zaun und der Mauer noch ein paar Stacheldrahtrollen. Eigentlich überflüssig, dieser Streifen wurde sowieso ausgeleuchtet und scharf bewacht.

KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen

An einem Zaun sind die Isolatoren noch "wie neu".

"Konzentrationslager Sachsenhausen (kurz KZ Sachsenhausen) war der Name eines ab 1936 eingerichteten nationalsozialistischen deutschen Konzentrationslagers in Sachsenhausen bei Oranienburg (später nach Oranienburg eingemeindet) nördlich von Berlin.

Durch die Nähe zu Berlin und damit auch zur Gestapozentrale in der Prinz-Albrecht-Straße hatte dieses Lager eine Sonderrolle im KZ-System. Ein großes SS-Kontingent war hier stationiert. Das Lager diente als Ausbildungsort für KZ-Kommandanten und das Bewachungspersonal im ganzen NS-Machtbereich (ähnlich wie das KZ Dachau). Insgesamt wurden ca. 200.000 Häftlinge nach Sachsenhausen deportiert, nur etwa 140.000 davon wurden registriert. Im August 1941 wurde eine Massenerschießungsanlage errichtet, in der etwa 13.000 bis 18.000 sowjetische Kriegsgefangene ermordet wurden. Insgesamt sollen mehrere zehntausend Häftlinge ermordet worden sein."

(Quelle: Seite „KZ Sachsenhausen“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 1. Mai 2014, 21:45 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=KZ_Sachsenhausen&oldid=130020030 (Abgerufen: 3. Mai 2014, 18:47 UTC))