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Das LKA Schleswig-Holstein warnt: Polizisten verlangen nie Ihr Geld!

Seniorin am Telefon (Symbolbild, freigegeben durch BKA)

Die Täter sitzen meist im Ausland. Sie durchforsten deutsche Telefonbücher gezielt nach älteren Menschen, die dort auch mit ihrer Anschrift verzeichnet sind. Und wenn sie anrufen, geben sie sich als Polizisten oder Staatsanwälte aus. Und sie haben nur ein Ziel: Sie wollen IHR Geld!

Im vergangenen halben Jahr sind der Polizei in Schleswig-Holstein rund 80 Taten bekannt geworden, bei denen Anrufer versucht haben, in der Mehrheit ältere Frauen davon zu überzeugen, ihr Geld von Konten, aus Bankschließfächern oder aus Tresoren zu holen und den Tätern zu übergeben. Das ist ihnen zum Glück nur in wenigen Fällen gelungen, aber der Schaden ist trotzdem immens hoch.

Mehrere hunderttausend Euro haben die Betrüger bereits ergaunert.

Das Dunkelfeld der versuchten und vollendeten Taten dürfte sehr viel größer sein. Aber wie gelingt es den Tätern, zum Erfolg zu kommen?

Sie nutzen rücksichtslos das Vertrauen älterer Menschen zur Polizei aus. Hauptsächlich wenden sie zwei Maschen an:

  1. Der akzentfrei Deutsch sprechende Anrufer, der sich als Polizeibeamter ausgibt, spricht seine Opfer mit Namen an und bringt zuweilen zum Ausdruck, dass er weiß, wo sie wohnen. Er berichtet z.B. von vermehrten Einbrüchen in der Umgebung und einem festgenommen Täter, bei dem man Zettel mit Namen und Adressen, auch die der Angerufenen, gefunden habe. Man mache sich nun Sorgen und hinterfragt die vorhandenen Vermögenswerte.

    Diese wolle man für sie sicher verwahren...

  2. In anderen Fällen berichtet man den Angerufenen von mafiösen Strukturen bei ihrer Bank und fordert sie auf, sicherheitshalber ihr Geld abzuheben, Schließfächer zu räumen und die Vermögenswerte zu Hause zu lagern.

    Auf Bedenken der Bankmitarbeiter werden die Geschädigten vorbereitet. Man behauptet z.B. "die stecken dann wahrscheinlich mit drin."

Durch erneute Anrufe versichern sich die Täter der Abholung des Geldes und fordern nun zum Mitteilen von Banknotennummern auf. Darauf folgt die Behauptung, es handele sich um Falschgeld, dass die Polizei abholen müsse...

Die geschilderten Legenden sind nur zwei Beispiele einer Vielzahl von Geschichten, die sich die Täter einfallen lassen.
Sie gehen arbeitsteilig vor. Perfekt geschulte Telefonisten fädeln die Abholungen ein. Es werden sogar "Rollenspiele" mit mehreren Anrufern durchgeführt. Wieder andere Täter erscheinen später bei den Opfern. Die Täter bedienen sich modernster Telekommunikationsmittel, die es ermöglichen, jede beliebige Rufnummer im Display der Geschädigten erscheinen zu lassen. Auch die der zuständigen Kriminalpolizeidienststelle! Übrigens: Die Polizei ruft Sie nie von der Rufnummer 110 aus an. Die Geschädigten erhalten auch eine Rückrufnummer, in der Regel eines Mobiltelefons, um mit den Tätern Kontakt aufnehmen zu können. Sie werden sogar dazu ermuntert.

Anbahnungshandlungen können sich zum Teil über Tage hinziehen. Nicht selten wird den Geschädigten glaubhaft gemacht, konspirativ an Ermittlungen der Polizei mitzuwirken. Die Täter erschleichen sich durch ihr Vorgehen das Vertrauen der Geschädigten, stellen sogar Fangprämien in Aussicht. Ziel der Täter ist es immer, sich Zutritt in die Wohnungen potentieller Opfer zu verschaffen, um dann durch Ablenkung oder als Fortsetzung der dreisten Lügengeschichten an Geld und Wertgegenstände zu gelangen. Die Polizei arbeitet mit Hochdruck und eng vernetzt an der Ermittlung der Täter, was sich aufgrund der oben geschilderten Vorgehensweisen als sehr schwierig erweist. Sie hat es mit hochprofessionell agierenden Tätergruppen zu tun.

Was können Sie tun, um sich und ihre Angehörigen zu schützen?

  • Überprüfen Sie Ihren Telefonbucheintrag. Ändern Sie ihn gegebenenfalls. Ihr Vorname sollte abgekürzt sein und eine Anschrift ist oft nicht nötig.
  • Machen Sie Fremden gegenüber nie Angaben über Ihre Vermögenswerte. Polizeibeamte würden Sie nie danach oder gar nach Passwörtern fragen.
  • Nennen Sie am Telefon einem Anrufer weder die Bankverbindung, noch eine Kartennummer oder gar die PIN dazu. Niemand - auch nicht Ihre Bank, auch nicht die Polizei! - würde diese Information telefonisch abfragen.
  • Polizei und Staatsanwaltschaft würden Sie niemals telefonisch zu einer Zahlung auffordern. Sie erhalten immer
    eine schriftliche Zahlungsaufforderung auf dem Postweg.
  • Überprüfen Sie schriftliche Zahlungsaufforderungen und Rechnungen - sie sind für Betrüger recht leicht zu fälschen. Gerade wenn das Opfer kein Vergleichsschreiben besitzt, kann auch so eine Fälschung zum Ziel der Täter führen.
  • Lassen Sie sich nicht zu etwas drängen, dass Ihnen nicht behagt. Falsche Scham spielt den Betrügern in die Tasche!
  • Deponieren Sie keine Wertsachen auf Anordnung vor dem Haus.
  • Haben sich Unbekannte angemeldet, holen Sie sich Unterstützung ins Haus. Polizeibeamte in Zivil weisen sich
    immer aus.
  • Wenn Sie sich unsicher sind, notieren Sie Namen, Dienststelle und Rufnummer des Anrufers und legen Sie auf.
  • Wählen Sie den Serviceruf der Polizei 110. Hier finden Sie unmittelbar Unterstützung. Die hohe Anzahl der angezeigten Betrugsversuche zeigt, dass sehr viele lebensältere Menschen sehr aufmerksam sind und sich nicht darauf einlassen. Aber leider gilt dies nicht für jeden!
  • Darum bittet die Polizei Sie, auch lebensältere Angehörige, Nachbarn und Bekannte aufzuklären. Wenn Sie bereits geschädigt wurden oder jemand versucht hat, Sie zu betrügen, zeigen Sie dies bitte in jedem Fall an.
  • Weitere Hinweise entnehmen sie bitte dem Programm Polizeiliche Kriminalprävention, www.polizei-beratung.de .

Rufen Sie lieber einmal zu viel an - 110 ist nicht nur Notruf, sondern vor allem eine Servicenummer Ihrer Polizei! Geben Sie diese Information bitte weiter.

Quelle: OTS vom
OTS: Landeskriminalamt Schleswig-Holstein
newsroom: http://www.presseportal.de/blaulicht/nr/2256
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