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Am Nord-Ostsee-Kanal

Die Kanalfähre bei Breiholz

Am Nord-Ostsee-Kanal mögen wir immer mal wieder gerne ein paar Stunden verbringen. Man kann da aber auch an verschiedenen Plätzen sehr schön mit dem Wohnmobil stehen und ein paar Tage ausspannen. Wen das Geräusch von den Schiffsdieseln nicht stört (und wer nicht gleich hysterisch schreiend vor den Feinstaubwolken flüchten will ...), findet hier mit ein wenig Glück ein schönes Plätzchen, wo die Schiffe praktisch am Wohnzimmerfenster vorbeifahren.

In der Nähe der Fähre Breiholz parkt es sich westlich von Schachtholm sehr gut. Es gibt bei Schachtholm einen echten Wohnmobilstellplatz, der etwas erhöht ist und eine sehr gute Sicht über den Kanal bietet. Aber es ist eben ein Wohnmobilstellplatz ... weiter westlich gibt es aber zwei Möglichkeiten, in einer nicht mehr benutzten Zufahrt zum Kanal zu stehen. Mein Tip dafür: rückwärts rein, solange noch reichlich Platz ist. Diese Plätze können voll werden. Nichts ist nerviger, als mit dem Wohnmobil rückwärts auszuparken, während andere Wohnmobilfahrer hinter dem Fahrzeug planlos umherwatscheln. Das hatte ich bei meinem Besuch vor vier Wochen: kaum rollt die eigene Karre langsam rückwärts, latscht irgendein Typ seelenruhig in den toten Winkel direkt hinter dem Wagen. yell

Morgennebel am Kanal

Früh am Morgen hört man den Motor der Fähre ein wenig. Die ist nicht sehr laut, das stört nicht. Die großen Schiffsdiesel sind lauter, aber sie machen einen noch erträglichen dunklen Ton. Jeder Baumarkt-Roller ist nerviger!

Nilgänse am Kanal

Und weil es von der Geografie her so schön paßt mit einem langen Gewässer, leben hier inzwischen auch Nilgänse!

Nilgänse am Kanal

Die Kleinen sind in wenigen Wochen schon deutlich gewachsen.

Nilgänse am Kanal

Eine Gans paßt immer auf, was sich in der Umgebung tut; die andere Gans bringt inzwischen dem Nachwuchs irgendwas bei: wo es Futter gibt, wie man schwimmt ...

Gänse am Kanal

Andere Gänse finden sich hier auch, und sie kommen sehr gut miteinander aus. Hier leben mindestens drei Arten auf sehr engem Raum. Die Gänse scheinen die Nähe der Fähren zu bevorzugen. Hier gibt es nämllich noch die alten "NATO-Brückenrampen": Betonrampen, die flach ins Wasser gebaut sind. Woanders bietet die Kanalböschung nur große Steine, das ist nichts für Gänse.

Gänse am Kanal

Als die Aufnahme entstand, war es noch etwas hin bis zur Kieler Woche: sicher wollte dieser Skipper dran teilnehmen. Im Kanal ist Segeln nur erlaubt, wenn die Maschine läuft, also das Segel nur unterstützt!

Traditionssegler im Kanal

Die Fährüberfahrten sind auf allen Kanalfähren gratis. Das geht noch auf die Bauzeit des Kanals zurück und ist auf einem kaiserlichen Erlaß begründet. Der Kanal durchschnitt eine Menge Verkehrswege: um die Akzeptanz des Bauvorhabens zu steigern, verfügte der Kaiser, alle Übergänge seien künftig kostenfrei zu benutzen. Das bezieht sich bis heute auf alle Brücken und alle Fähren sowie die beiden Tunnel bei Rendsburg (einmal Auto, einmal Fußgänger).

Fähre im Kanal

Der Segler zieht unter Maschine weiter. Eilig darf man es hier nicht haben: die Geschwindigkeit ist auf 15 km/h begrenzt (für große Schiffe: 12 km/h). Und es wird auch überwacht. Wer aus der Schleuse kommt, wird mit Uhrzeit registriert: der gesamte Verkehr ist jederzeit unter Beobachtung und Lenkung. Wer deutlich zu früh an der nächsten Station ankommt, fängt sich ein saftiges Bußgeld: zu schnelles Fahren schädigt die Böschung und stört erheblich die Verkehrslenkung. Dadurch entsteht Kollisionsgefahr, denn großartig ausweichen geht hier nur in die Böschung.

Traditionssegler im Kanal

Alle möglichen Schiffsarten sind hier unterwegs, am Wochenende meist weniger als in der Woche. D.h., Montag bis Freitag sind die "interessanten Tage". Hier ein Schiff mit Gefahrgut.

Ein Tanker im Kanal

Begegnungen zwischen Sportbooten und Berufsschifffahrt sind hier völlig normal. Das Sportboot braucht keinen Lotsen und zahlt erheblich weniger Gebühren. Der Frachter im Hintergrund hat sicherlich ein paar Tausend Euro Gebühren abdrücken müssen.

Wer mit dem Sportboot fährt, hält sich so weit wie möglich rechts und hat die Augen am besten überall. Der Sog der vorbeifahrenden Schiffe zerrt ganz schön an einem kleineren Boot! Und auch die Signale gelten für das kleine Sportboot: kommt ein sehr großes Schiff entgegen, kann es sein, dass alle anderen in einer Ausweichstelle aufgestoppt werden müssen. Der Segler muß dann eben nach innen an die Festmacher gehen.

Segler und Frachtschiff im Kanal

Blick vom Fähranleger nach etwa Nord-Nordost zum "Wohnmobil-Parkplatz" (eine ehemalige Brückenzufahrt für militärische Zwecke). Die Wege ziehen sich praktisch am gesamten Kanal entlang. Radfahren und Wandern ist erlaubt.

Die Wege entlang des Kanals

Die Fähre wartet eine genügend große Lücke ab. Hier kann keiner "anhalten". Wer stoppt, verliert die Ruderwirkung und beginnt mit dem Wind zu treiben. Minuten später sitzt der dann in der Böschung. 

Dichter Verkehr auf dem Kanal

Gegen Abend rackert die Fähre immer noch unermüdlich, wenn auch in immer größeren Abständen. Wenns geht, fahren die nicht wegen einem einzigen Auto los. An den Seiten und oben blinken gelbe Warnlichter. Die Fähre hat auch Radar. Jeden Tag die paar Meter hin, paar Meter zurück ... und nicht eine Minute unaufmerksam sein dürfen!

Kanalfähre vor dem Abendhimmel

Auch die Schiffe schalten nun die Beleuchtung an. Von vorn sieht man nur die weißen Dampferlaternen plus die Positionslichter. Von achtern sieht man alles mögliche, und auch ein weißes einsames Einzellicht am Heck.

Frachter im Kanal

Bis zu zehn normal große Wohnmobile haben hier Platz. Die westliche Seite hat die beste Aussicht, aber bei Regen steigt man eventuell in den verschlammten Grünstreifen aus. Je weiter unten man steht, desto lauter hört man alle Motoren. Und alle anderen latschen auch dauernd am Wagen vorbei. Ich stehe hier am liebsten dort in der Mitte. Wie auf diesem Bild:

Wohnmobile in der ehemaligen Zufahrt zum Kanal

Die "Marlies" habe ich am 13.05. gesehen und nochmal am 03.06. Es handelt sich um ein Binnenschiff, das hier Richtung Hamburg fährt. Soweit ich mich erinnere, ist sie Baujahr 1972 und hat noch diesen unvergeßlichen "Binnenschiff-Sound"!

(Das kann man sich hier schön anhören, ab ca. 0:56 ganz deutlich)

Jenseits von Kiel gibt es nichts mehr für die "Marlies": alles Seeschifffahrtsstraße, da dürfte sie keine Zulassung für haben.

Binnenschiff "Marlies" im Kanal

In die andere Richtung fahren auch viele Radfahrer. Viele fahren auch eine Tour links am Kanal, wechseln dann mit der Fähre rüber und radeln dann zurück. Kostet ja nichts.

Radfahrer und Angler am Kanal

Von was für Dimensionen man hier redet, zeigt sich hier: das kleine Binnenschiff gegen ein nicht mal besonders großes Containerschiff, vermutlich "nur" ein Zubringer. Die richtigen Giganten kommen hier nicht durch, die fahren bis Hamburg und dort ist Schluß. Im Kanal ist bei ca. 44.000 BRZ Schluß (jedenfalls heute noch). Wer noch größer ist, muß ums Skagerrak fahren.

Binnenschiff "Marlies" im Kanal, Begegnung mit Container-Feeder

Die Feederschiffe sind auch schon beeindruckend genug.

Begegnung mit Container-Feeder

Solange die Größen bestimmte Werte nicht überschreiten, können Schiffe problemlos aneinander vorbei. Ist eins zu groß, wird der Verkehr so gesteuert, dass es nicht zu Begegnungen kommt - nur in den besonders breiten Ausweichstellen dürfen sich dann die Schiffe begegnen.

Begegnung von zwei Frachtschiffen

Man kann im Kanal auch angeln. Heutzutage ist das Wasser eigentlich recht sauber, aber einen Fisch aus dem Kanal ...?

Angler am Kanal

Manchmal wird es enger. Insbesondere, wenn ein kleinerer überholen will. Das kann vorkommen: die "Kleinen" dürfen ja drei (!) km/h schneller laufen als die "Großen". So ein Überholvorgang dauert ganz schön. Wer überholt wird, fährt dann etwas langsamer - aber allzu langsam geht nicht: wegen der Strömungsverhältnisse beim Vorbeifahren ist es nicht ganz einfach, mit wenig Fahrt Kurs zu halten.

Mehrfachbegegnung im Kanal

Die Fähre macht eigentlich nur selten fest. Irgendeiner möchte immer mal rüber.

Festmacher an der Fähre

Hier mal ein etwas größeres Feeder-Schiff, über 13.000 Tonnen (das Alter von 18 Jahren sieht man dem Schiff nicht an!).

Containerschiff von achtern

So tief, wie der liegt, ist er bis zur Grenze beladen.

Containerschiff von achtern

Eine Feinstaubplakette gibt es für diesen Kasten allerdings nicht. Und hier fahren die noch relativ "umweltfreundlich" mit Gasöl (Diesel). Auf See verbrennen die größeren Maschinen Schweröl. Das ist sowas wie Teer, da hustet es den Feinstaub in Briketts aus den Rohren.

Feinstaub am Schornstein

Der Segler verbrennt wahrscheinlich in der ganzen Saison nicht ein Zehntel von dem Treibstoff, den der Frachter in einer Stunde weglutscht. Aber der Vergleich hinkt ja sicher.

Segler und Frachter im Kanal

Abends scheint hier die Sonne schön schräg über die Wasseroberfläche.

Abendsonne am Kanal

Minuten später wird alles in Gold getaucht.

Abendsonne am Kanal

Viel später kommt noch ein Kreuzfahrtschiff vorbei ...

Kreuzfahrtschiff im Kanal

Wer übrigens nicht nur gucken will, sondern auch mal gerne wissen möchte, wer da so vorbeizieht und wohin, sollte mal bei marinetraffic.com vorbeischauen. (Hier mal der Link zur Umgebung der Fähre Breiholz)

Das ist besonders nützlich, wenn man nicht stundenlang an der Böschung sitzen will - mit dieser Live-Ansicht kann man schon Stunden im voraus sehen, wer und was kommt. Das gibt es auch als kostenlose App (gegen ganz kleines Geld mit ein paar empfehlenswerten Zusatzfunktionen).

Hat es euch gefallen? Laßt doch mal einen Kommentar da wink!