Lesenswert:

NachDenkSeiten - Die kritische Website

Einloggen

Stadt Arnis - die kleinste Stadt Deutschlands

Beitragsseiten

Stadt Arnis - die kleinste Stadt Deutschlands

Arnis als kleinste Stadt Deutschlands ist optisch ein Dorf. Die Stadt liegt idyllisch an der Schlei und ist im Frühjahr außerdem noch von leuchtend gelben Rapsfeldern umgeben: zusammen mit einem sehr alten Gebäudebestand ist Arnis ein echtes Juwel in Schleswig-Holstein. Wir haben zwei Termine zu einem Artikel zusammengefaßt und reichlich bebildert und betextet. Ihr könnt mit dem Link "Alle Seiten" den Artikel auch ohne Weiterblättern lesen. Die Unterteilung soll nur die Ladezeiten ein bißchen kleiner halten.

Arnis ist mit bummelig 300 Einwohnern nicht nur von der Bevölkerungszahl kleinste Stadt in Deutschland, sondern auch von der Fläche her. Die Stadt liegt auf einer Halbinsel und hat eine Fläche von gerade mal 0,45 km². Das ist nicht viel. Es war auch früher nicht viel: wie kommt also ein Dorf an Stadtrechte?

Und noch eine "Merkwürdigkeit" - 50 Jahre nannte Arnis sich auf den Ortsschildern "Bad Arnis", obwohl eine förmliche Anerkennung als Bade- oder Kurort nie vorgelegen hat. Wie geht das? Bis 1988 hatte Arnis ja nicht einmal eine Badestelle. Hat diese Stadt etwa ein dunkles Geheimnis?

All das versuchen wir mal hier zusammengefaßt zu erklären. Die Quellen geben wir am Ende des Artikels natürlich an. Damit das kein Belehrungstext wird, zeigen wir Euch aber die schönsten Seiten von Arnis an einem kalten Frühlingstag. Auf gehts!

Das hier ist eine der Molen, die den kleinen und sehr sauberen Badestrand vor Wellenschlag durch die Schifffahrt auf der Schlei schützen. Viel Wellen sind das nicht, meist sind sie auch nicht hoch: aber für Kleinkinder können schon ein paar Zentimeter fatal sein. Wir haben hier als einen sehr kinderfreundlichen Strand. Das sucht man leider sehr oft vergebens.

Im Frühjahr sieht der Strand natürlich ohne Sonne etwas trostlos aus. Das ist im Sommer hübscher, wenn viel Betrieb ist. Allerdings sorgen Fotografen an einem Strand mit vielen Kindern heutzutage doch für ziemlich viel Unruhe. Muss nicht sein. Ihr könnt Euch Sonne, Wärme, und lachende Badegäste auch so vorstellen, oder?

Hinter dem Strand nur ein paar Meter einen kleinen Weg hoch, und man gelangt an die Arnisser Schifferkirche. Die Kirche ist sehenswert, aber klein. Oder ist es umgekehrt? Die Bürger von Arnis sind schon geschichtlich eng mit der Seefahrt verbunden. Arnis ist auch die Stadt mit der höchsten Werftendichte Deutschlands, pro Einwohner und pro Quadratkilometer.

Die Schifferkirche zeigt einen holzverkleideten Turm und ein recht kleines und fast "modern" wirkendes Hauptgebäude. Die beiden Teile der Kirche sehen nicht aus, als ob sie gleichzeitig erbaut wurden. Sind sie auch nicht: das Hauptgebäude stammt von 1669, der Turm kam erst 1825 als Ersatz für einen hölzernen Glockenturm dazu.

Auf dem Friedhof finden sich zahlreiche sehr schöne Grabsteine. Sie datieren bis ins 18. Jahrhundert zurück. Viele sind aber heute kaum noch lesbar.

Hält man sich von der Schifferkirche ein wenig westlich und passiert die Schiffswerft Eberhard (der Rundweg führt übrigens quer über die Slipbahn der Werft; mit Glück liegt im Frühjahr der Dampfer Alexandra hier zur Vorbereitung auf die Saison), gelangt man zum Restaurant Schleiperle. Oder besser, "gelangte". Das Gebäude ist noch vorhanden, aber das Restaurant hat Ende 2016 geschlossen. Das traf übrigens auch den "Speicher Nr. 5" in Kappeln. Die Anzahl guter Restaurants an der Schlei nimmt also ab. Nicht schön.

Es gibt sie noch, die Arnisser Fischkutter. Die fahren allerdings zum Fischen auf die Ostsee. Schleifischer gibt es auch, aber die haben wesentlich kleinere und offene Boote. Manch Fischkutter dient nun im Ruhestand als geräumige und robuste Motoryacht. Wie man den Fischgeruch loswird, der Jahrzehnte ins Holz einzog? Keine Ahnung. Muss eine heftige Arbeit sein ...

Auf dem sog. "Slipwagen" werden kleine bis mittlere Schiffe und Boote aus dem Wasser an Land geholt. Slipbahnen (die Schienen zum Slipwagen) gibt es hier mehrere. Sogar der Salondampfer "Alexandra" wird so aus dem Wasser geholt. Das Prinzip ist einfach: man fährt das Schiff genau über den Slipwagen, der bis zum Ende der Schienen ins Wasser gefahren wird. An den Seiten befinden sich lange stabile Stützen, die noch ein wenig aus dem Wasser ragen: so kann man das Schiff genau über dem Slipwagen positionieren. Jetzt wird das Schiff an den Stützen festgemacht (vertäut).

Zieht nun eine Winde den Slipwagen die schräge Bahn empor, nimmt er das Schiff mit. Irgendwo unterwegs wird der Wagen gegen den Schiffsboden gedrückt, ab da trägt er das Gewicht des Schiffes. Und weil die Schienen ja bergauf gehen, voilá - das Schiff kommt aus dem Wasser. Wichtig ist, gut aufzupassen: das Schiff muss sehr genau mittig auf dem Slipwagen stehen, die Stützen und die Festmacher-Leinen dürfen keinen Spielraum lassen, sonst kippt das Ganze!

Für die Fischerei gibt es an vielen Ecken noch Aufbewahrungsstellen. Das wirkt sehr fotogen auf die Besucher.

"Bad Arnis" stand hier eine Zeitlang drauf. Um etwa 1900 gab es Bestrebungen, mit den etablierten Badeorten mitzuhalten. Für eine Anerkennung als Badeort bemühte Arnis sich aber bis in die 20er Jahre vergeblich. Eine strandnahe Quelle (Offa-Quelle) taugte nach einer Analyse auch nicht als Heilquelle. Arnis nahm dann den Namenszusatz "Bad" einfach als Eigenbezeichnung an. Bis 2009 stand das dann auch auf den Ortstafeln. Es ist anzunehmen, dass das dann durch die Kommunalaufsicht unterbunden wurde. Versuche, die Offa-Quelle noch zu einer kleineren touristischen Attraktion aufzuwerten und dazu EU-Fördermittel einzuwerben, gab es auch. Wurde auch nix.

Das hatte Arnis eigentlich alles nicht nötig, denn schön ist die Stadt auch so.