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Ein Besuch in Friedrichstadt

Panorama Friedrichstadt
(Ein Klick in das Panorama öffnet eine sehr viel größere Ansicht)

Wenn man von Friedrichstadt noch nie gelesen oder gehört hat (zugegeben: das ist unwahrscheinlich), kommt man beim Besuch aus dem Staunen so schnell nicht wieder heraus. Eine holländische Kleinstadt im hohen Norden? Das könnte man im Emsland erwarten, oder jedenfalls ein paar Kilometer von der niederländischen Grenze entfernt, aber in Schleswig-Holstein ...?

Dabei ist des Rätsels Lösung so einfach wie einleuchtend ...

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Stadt Arnis - die kleinste Stadt Deutschlands

Stadt Arnis - die kleinste Stadt Deutschlands

Arnis als kleinste Stadt Deutschlands ist optisch ein Dorf. Die Stadt liegt idyllisch an der Schlei und ist im Frühjahr außerdem noch von leuchtend gelben Rapsfeldern umgeben: zusammen mit einem sehr alten Gebäudebestand ist Arnis ein echtes Juwel in Schleswig-Holstein. Wir haben zwei Termine zu einem Artikel zusammengefaßt und reichlich bebildert und betextet. Ihr könnt mit dem Link "Alle Seiten" den Artikel auch ohne Weiterblättern lesen. Die Unterteilung soll nur die Ladezeiten ein bißchen kleiner halten.

Arnis ist mit bummelig 300 Einwohnern nicht nur von der Bevölkerungszahl kleinste Stadt in Deutschland, sondern auch von der Fläche her. Die Stadt liegt auf einer Halbinsel und hat eine Fläche von gerade mal 0,45 km². Das ist nicht viel. Es war auch früher nicht viel: wie kommt also ein Dorf an Stadtrechte?

Und noch eine "Merkwürdigkeit" - 50 Jahre nannte Arnis sich auf den Ortsschildern "Bad Arnis", obwohl eine förmliche Anerkennung als Bade- oder Kurort nie vorgelegen hat. Wie geht das? Bis 1988 hatte Arnis ja nicht einmal eine Badestelle. Hat diese Stadt etwa ein dunkles Geheimnis?

All das versuchen wir mal hier zusammengefaßt zu erklären. Die Quellen geben wir am Ende des Artikels natürlich an. Damit das kein Belehrungstext wird, zeigen wir Euch aber die schönsten Seiten von Arnis an einem kalten Frühlingstag. Auf gehts!

Das hier ist eine der Molen, die den kleinen und sehr sauberen Badestrand vor Wellenschlag durch die Schifffahrt auf der Schlei schützen. Viel Wellen sind das nicht, meist sind sie auch nicht hoch: aber für Kleinkinder können schon ein paar Zentimeter fatal sein. Wir haben hier als einen sehr kinderfreundlichen Strand. Das sucht man leider sehr oft vergebens.

Im Frühjahr sieht der Strand natürlich ohne Sonne etwas trostlos aus. Das ist im Sommer hübscher, wenn viel Betrieb ist. Allerdings sorgen Fotografen an einem Strand mit vielen Kindern heutzutage doch für ziemlich viel Unruhe. Muss nicht sein. Ihr könnt Euch Sonne, Wärme, und lachende Badegäste auch so vorstellen, oder?

Hinter dem Strand nur ein paar Meter einen kleinen Weg hoch, und man gelangt an die Arnisser Schifferkirche. Die Kirche ist sehenswert, aber klein. Oder ist es umgekehrt? Die Bürger von Arnis sind schon geschichtlich eng mit der Seefahrt verbunden. Arnis ist auch die Stadt mit der höchsten Werftendichte Deutschlands, pro Einwohner und pro Quadratkilometer.

Die Schifferkirche zeigt einen holzverkleideten Turm und ein recht kleines und fast "modern" wirkendes Hauptgebäude. Die beiden Teile der Kirche sehen nicht aus, als ob sie gleichzeitig erbaut wurden. Sind sie auch nicht: das Hauptgebäude stammt von 1669, der Turm kam erst 1825 als Ersatz für einen hölzernen Glockenturm dazu.

Auf dem Friedhof finden sich zahlreiche sehr schöne Grabsteine. Sie datieren bis ins 18. Jahrhundert zurück. Viele sind aber heute kaum noch lesbar.

Hält man sich von der Schifferkirche ein wenig westlich und passiert die Schiffswerft Eberhard (der Rundweg führt übrigens quer über die Slipbahn der Werft; mit Glück liegt im Frühjahr der Dampfer Alexandra hier zur Vorbereitung auf die Saison), gelangt man zum Restaurant Schleiperle. Oder besser, "gelangte". Das Gebäude ist noch vorhanden, aber das Restaurant hat Ende 2016 geschlossen. Das traf übrigens auch den "Speicher Nr. 5" in Kappeln. Die Anzahl guter Restaurants an der Schlei nimmt also ab. Nicht schön.

Es gibt sie noch, die Arnisser Fischkutter. Die fahren allerdings zum Fischen auf die Ostsee. Schleifischer gibt es auch, aber die haben wesentlich kleinere und offene Boote. Manch Fischkutter dient nun im Ruhestand als geräumige und robuste Motoryacht. Wie man den Fischgeruch loswird, der Jahrzehnte ins Holz einzog? Keine Ahnung. Muss eine heftige Arbeit sein ...

Auf dem sog. "Slipwagen" werden kleine bis mittlere Schiffe und Boote aus dem Wasser an Land geholt. Slipbahnen (die Schienen zum Slipwagen) gibt es hier mehrere. Sogar der Salondampfer "Alexandra" wird so aus dem Wasser geholt. Das Prinzip ist einfach: man fährt das Schiff genau über den Slipwagen, der bis zum Ende der Schienen ins Wasser gefahren wird. An den Seiten befinden sich lange stabile Stützen, die noch ein wenig aus dem Wasser ragen: so kann man das Schiff genau über dem Slipwagen positionieren. Jetzt wird das Schiff an den Stützen festgemacht (vertäut).

Zieht nun eine Winde den Slipwagen die schräge Bahn empor, nimmt er das Schiff mit. Irgendwo unterwegs wird der Wagen gegen den Schiffsboden gedrückt, ab da trägt er das Gewicht des Schiffes. Und weil die Schienen ja bergauf gehen, voilá - das Schiff kommt aus dem Wasser. Wichtig ist, gut aufzupassen: das Schiff muss sehr genau mittig auf dem Slipwagen stehen, die Stützen und die Festmacher-Leinen dürfen keinen Spielraum lassen, sonst kippt das Ganze!

Für die Fischerei gibt es an vielen Ecken noch Aufbewahrungsstellen. Das wirkt sehr fotogen auf die Besucher.

"Bad Arnis" stand hier eine Zeitlang drauf. Um etwa 1900 gab es Bestrebungen, mit den etablierten Badeorten mitzuhalten. Für eine Anerkennung als Badeort bemühte Arnis sich aber bis in die 20er Jahre vergeblich. Eine strandnahe Quelle (Offa-Quelle) taugte nach einer Analyse auch nicht als Heilquelle. Arnis nahm dann den Namenszusatz "Bad" einfach als Eigenbezeichnung an. Bis 2009 stand das dann auch auf den Ortstafeln. Es ist anzunehmen, dass das dann durch die Kommunalaufsicht unterbunden wurde. Versuche, die Offa-Quelle noch zu einer kleineren touristischen Attraktion aufzuwerten und dazu EU-Fördermittel einzuwerben, gab es auch. Wurde auch nix.

Das hatte Arnis eigentlich alles nicht nötig, denn schön ist die Stadt auch so.


Arnis ist sehr schön als Urlaubsort geeignet. Es gibt hier und in der Umgebung zahlreiche Angebote mit Ferienwohnungen und Ferienhäusern. Manch eine Ferienwohnung hat Familienanschluß: da wohnen ältere Leute, die nicht weg möchten (sehr verständlich!), die Kinder sind aus dem Haus und dieses damit zu groß.

Arnis erreicht man mit der Fähre oder über eine winzige Landstraße über Grödersby. In jedem Fall muss man sein Automobil auf dem Parkplatz vor dem Ort (neben dem Feuerwehrhaus) abstellen. Die Karte am Ende des Artikels zeigt mit ihrer Markierung genau auf diesen Parkplatz. In Arnis ist Parken nur für Anwohner erlaubt. Die Werften und Bootshäfen haben etwas Parkraum für ihre Kunden. Ansonsten gibt es noch einen öffentlichen Parkplatz am westlichen Ende der Stadt. Es ist übrigens dringend anzuraten, mit einem Wohnmobil beispielsweise nicht in die Lange Straße hineinzufahren. Es gibt keine richtig geeignete Wendemöglichkeit. Streß wäre dann vorprogrammiert. Übrigens kann man (kostet auch nicht viel) auf dem Parkplatz neben dem Feuerwehrhaus super übernachten, allerdings sind die Parklücken nur für kleine Wohnmobile geeignet.

Hier sehen wir die Seilfähre in Aktion. Die Benutzung ist nicht kostenlos, aber sehr preiswert. Die nächste Möglichkeit, die Schlei zu queren, findet sich erst in Lindaunis. Das ist zwar schön zu fahren, aber im Sommer manchmal pickepackevoll.

Am anderen Ufer liegen noch größere Fischkutter. Überhaupt ist der Bestand an alten Schiffen in Arnis sehr groß. Das ist wirklich sehenswert.

In Arnis selbst finden wir viel alten Gebäudebestand. Nur wenige neuere Häuser "stören" das schöne Stadtbild. In den 70er Jahren hat man leider auch hier die Lücken mit architektonisch anspruchslosen Häusern gefüllt. Im Sommer, wenn die Weiden hier belaubt sind, fällt das aber glücklicher Weise nicht auf.

Fast alle Häuser sind hier und da liebevoll dekoriert. Man kann in die Höfe von der Straße manchmal hineinsehen. Übrigens erkennt man einige Touristen auch gut daran, dass sie minutenlang unbewegt in die Fenster starren oder ungeniert die Grundstücke betreten. Auch wenn hier viele Fenster völlig ohne Gardinen sind, denkt daran: hier wohnen Leute, die nicht unbedingt erfreut sind, wenn dauernd jemand auf den Teller guckt. Arnis ist kein Freilichtmuseum, und entsprechend sind die Grundstücke auch nicht öffentlich zugänglich.

Dort, wo man von der "Langen Straße" in den "Fährweg" abbiegt, findet sich noch ein Hinweis auf eine Pumpe, entweder für Feuerlöschzwecke, für Trinkwasser oder für beides.

Gegenüber findet sich der Rest einer Fassadenbeschriftung. "Kaufhaus" war für den Laden sicherlich etwas übertrieben, aber das Warenangebot war sehr vielfältig mit Dingen des täglichen Bedarfs. Heute gibt es das Kaufhaus in dieser Form nicht mehr.

Eines der nicht ganz so alten Häuser am westlichen Ende der Stadt. Ich meine mich zu erinnern, das sei die alte Schule von Arnis gewesen. Die Straße nach links hinein heißt ja auch "Schulstraße". Hinten rechts sehen wir noch ein sehr viel jüngeres Haus ...

Die Werft Eberhardt gibt es jetzt auch nicht mehr. Da soll ein neues Wohngebiet hin, direkt an die Schlei. Das Projekt sorgt aber weit über Arnis hinaus für heftige Diskussionen, wie es scheint. Klar ist, dass die Bebauung in dieser Lage sicher keine Normalverdiener ansprechen wird. Was sich dadurch in Arnis verschieben wird, bleibt abzuwarten. Eine Entwicklung hin zu einem abgeschotteten Ort nur für besonders Wohlhabende wäre eine sehr schlechte Entwicklung ...


Viele Schiffe wurden hier instandgesetzt. Die Bootshalle ist ein Wahrzeichen von Arnis - ob sie die Umnutzung übersteht, ist mehr als zweifelhaft. Hier lagen früher auch die merkwürdigsten Schiffe, darunter zwei Torpedoboote der NVA in jämmerlichem Zustand. Eins davon wurde wieder hergestellt, aber wer sich sowas zulegt, ist nicht bekannt. Böse Zungen behaupten, die schnellen Boote dienten jetzt irgendwo zum nächtlichen Drogenschmuggel sealed.

Die Bootshalle gammelte natürlich von unten langsam weg. An diesem Liegeplatz lag jahrelang ein gesunkener Fischkutter, von dem nur die Aufbauten aus dem Wasser ragten.

Alle Bootsstege sind im Privatbesitz. Nur die Rampe für die Seilzugfähre ist quasi öffentlich. Es gibt keinen öffentlichen Schiffsanleger hier, und das ist jammerschade. Es gibt nämlich auf der Schlei etliche kleine und mittlere Ausflugsschiffe, die an Arnis leider vorbeifahren müssen. Immerhin legen sie in Kappeln an. Von dort kann man Arnis noch über einen Küstenweg zu Fuß erreichen.

Der Fischkutter auf dem Bild ist heute ebenfalls "Yacht".

Wieder liegt noch Zubehör von der Fischerei am Wegesrand. Aber Berufsfischer gibt es hier nicht mehr.

Im Vordergrund finden sich zwei der kleinen Fischerboote, die heute noch (nebenberuflich) auf der Schlei herumtuckern. Dahinter liegt die "Chagall", eine Yacht, die schon seit vielen Jahren mit der auffälligen Rumpfgestaltung hier liegt und im Sommer auf der Schlei zu sehen ist.

Das alte Mühlenhaus liegt am Noor. Von der Mühle konnte nur der Getreidespeicher gerettet werden, die Mühle selbst war viel zu marode und wurde abgerissen. Im Mühlenhaus finden sich Ferienwohnungen und -appartements mit ansprechender Einrichtung.

Eins der "nicht ganz so alten" Häuser von Arnis. Die Farben "gedecktes Blaugrau" und "Weiß" findet man hier öfters.

Ein Fachwerkhaus mit dem typischen Fenster-Erker, genannt "Utlucht". Wer hier sitzt, hat die Straße in beiden Richtungen im Blick. Diese Art der Fenster ist nicht typisch für Arnis, allerdings sind hier noch viele Fassaden damit ausgestattet.

Eine der schmuckloseren Fassaden, die aber im Sommer unter Grün verschwinden wird. Fast an jedem Haus finden sich rundherum Anpflanzungen von Grün oder Blumen. Arnis ist im Frühjahr und Sommer natürlich am schönsten. Wer mal die Architektur bewundern möchte, besucht Arnis besser in der grauen Jahreszeit.


Wieder die typische Farbkombination. Leider hat jemand einen erdrückenden "Carport" neben dem Haus "gestaltet". Das Haus gewinnt dadurch definitiv nicht. Rechts eins der wenigen zweistöckigen Häuser in Arnis.

Der "Fährweg" führt - man ahnt es! - zur Fähre hinunter. Unten rechts befindet sich das Restaurant "Fährhaus". Man kann dort angenehm sitzen und essen (natürlich auch Fisch!). Auch im Außenbereich ist es eigentlich sehr schön: doch wenn viel los ist, stauen sich hier die Autos, die auf die Fähre warten. Schmeißen alle gleichzeitig den Motor an, stört das ein wenig. Auch wenn es so aussieht, darf man im Fährweg nicht einfach so parken. Gegenüber auf der anderen Seite der Schlei ("Sundsacker") ist ein kleiner Parkplatz. Das Auto kann ja da stehenbleiben, und man setzt "zu Fuß" mit der Fähre über. Geht auch!

Viele Häuser ähneln sich sehr. Aber wer genau hinsieht, merkt: keins ist wie das andere. Hier hat man zum Glück noch nicht diesen Einheitswahn ausgelebt wie in vielen anderen Orten.

Insbesondere die Haustüren sind schon einen Besuch wert. Da gibt es viele Unterschiede in der Gestaltung.

Fast am Ortseingang von Arnis liegt das "Gode Wind", das ich noch als "Landhaus Arnis" kenne. Damals konnte man da sehr gut essen, ich weiß nicht, wie es heute ist. Immerhin gibt es das "Gode Wind" schon mehrere Jahre. Wenn es sich so lange dort gehalten hat, muss es wirklich gut sein. Wir müssten das gelegentlich mal probieren.

Die versetzten Giebel in den Fachwerkhäusern sieht man nicht mehr oft. "Utluchten" wurden teilweise auch erst später angesetzt, manche leider auch bei einer "Sanierung" entfernt. Man möchte nicht wissen, hinter welch häßlichen Klinkerfassaden sich eigentlich schöne Fachwerkhäuser verbergen. Aber Hauptsache "auf modern" getrimmt ... schade drum!

Der breiteste Teil der "Langen Straße" ist auch der Teil, wo die größten Häuser stehen. In der Gegend der früheren Werft "Eberhardt" findet sich ein noch höheres Haus.

Ungewöhnlich, dass ein Haus nicht mit dem Giebel zur Straße steht in Arnis. Sehr oft finden wir auch zwei, manchmal drei Häuser hintereinander auf dem Grundstück. Baugrund ist rar in Arnis ...

Die ganze "Lange Straße" ist von Weiden gesäumt.

Auf den Zäunen findet sich stellenweise sehr altes Moos, es ist bunt und sieht nett aus.


Dieser Rettungsring dient wohl nur noch als Dekoration. Die Knoten haben schon ein wenig Moos angesetzt, die kriegt man im Notfall wohl kaum auf.

Auch auf den Wegen finden sich Moos-Ansammlungen. Hier musste ich mit dem Tele sehr stark vergößern, der Teil des Weges war nicht so zugänglich.

Ein weiteres Haus mit blaugrauen Hervorhebungen und einer sehr schönen Eingangstür. Hier achtet jemand sicher sehr darauf, dass alles zueinander paßt und nicht einfach nur "bunt" ist.

Vor der einen oder anderen Tür finden sich seltsame Steinfiguren, die man eher vor einem chinesischen Restaurant erwarten würde.

Arnis zeigt seine maritime Verbundenheit an jeder Ecke. Die alten Seezeichen dienen nicht mehr als Markierung in der Schlei, sondern als leuchtend farbige Dekorationen überall in der Stadt.

Gelegentlich finden sich auch ein paar Meter nicht mehr benötigter Kette irgendwo. Da wird jemand bestimmt noch was draus zaubern, einen Gartenzaun beispielsweise.

Hier geht es nach Sundsacker hinüber. Es ist kaum zu sehen, aber links vom Anleger soll nach Karte ein kleiner Parkplatz sein. An der Straße parkt man besser nicht, die ist eh eng genug.

Ein weiterer Fischkutter in Arnis, der hier ist aber noch in Betrieb. Im Frühjahr sind die nicht zu oft unterwegs. Die kleinen Kutter können wirtschaftlich nicht mehr als Allein-Erwerb betrieben werden.

Aus alten Festmachern lassen sich prima Dekorationen für den Gartenzaun herstellen. Sieht gut aus, und ist Recycling vom Besten!

Nein, es ist nicht Carlo. Der kleine Dackel verfolgte uns eine Weile mit den Blicken. Einen schöneren Platz für einen gut erzogenen Hund gibt es nicht: im Fenster, alles sehen und von tierlieben Menschen nett angeredet werden.

Das Restaurant "Gode Wind" hatte an diesem kühlen Tag doch schon den Außenbereich vorbereitet.

Rund um Arnis führt ein Weg am Ufer entlang. Der teilt die meisten Grundstücke, denn zwischen Weg und Wasser liegen meist noch kleine Grünflächen. Und die meisten davon haben auch noch einen eigenen Bootssteg. Arnis ist die Stadt mit den meisten Bootsstegen pro Einwohner!

Gegen Abend kann man besonders in der Gegend um den Badestrand herum den Sonnenuntergang bewundern.

Auf der kleinen Landzunge gibt es Bänke, die auch an trüben Tagen für eine Rast gut sind, wie man sieht. Immerhin bleibt man dann eher unter sich. Im Sommer ist hier wesentlich mehr los!

Nun noch die Erklärung für das Stadtrecht: während in der Umgebung die Marktflecken manchmal kleiner wurden und den Status als "Marktflecken" verloren, oder aber wuchsen und dann das Stadtrecht erhielten, konnte Arnis weder wachsen noch schrumpfte die Einwohnerzahl. Arnis wollte gegenüber den anderen Flecken nicht zurückstehen. Der damalige Bürgermeister ging der Kommunalaufsicht so auf den Keks, dass man Arnis 1934 das Stadtrecht zuerkannte. Da hat man sich bis heute nicht mehr rangetraut.

Fazit: Arnis ist eine liebenswerte Stadt, die man entweder für einen Tagesausflug besuchen sollte oder auch als Basis für einen längeren Urlaub in der Gegend. Für einen Spaziergang empfehle ich folgende Route:

  • Auf dem Parkplatz vor der Stadt parken (und einen Parkschein ziehen, es wird hier wirklich kontrolliert).
  • In die Stadt hinein und sofort hinter dem Brückengeländer den Weg nach links nehmen. Er führt bis zur nördlichen Spitze von Arnis, drumherum und auf der östlichen Seite (zur Schlei hin) nach Süden.
  • Dem Weg immer an der Schlei folgen, auch an der Strandhalle vorbei bis zum Badestrand.
  • An der Schifferkirche hoch, dann in die Schifferkirche zum Gucken (ist aber nicht immer offen).
  • Am Lindenweg oder der Schulstraße entlang bis zur Langen Straße.
  • Der Langen Straße jetzt bis zum nördlichen Ende folgen. Der kleine Wendehammer ganz oben kommt Euch bekannt vor, da kreuzt Ihr den Fußweg rund um Arnis.
  • Straßenseite wechseln und die Lange Straße wieder zurück.
  • Entweder zur Fähre runter und im Fährhaus einkehren, oder an der Ecke oben im "Gode Wind".
  • Wenn Ihr Euch dafür wirklich Zeit laßt und überall stehenbleibt zum Gucken, braucht Ihr längstens vier Stunden für die "Rundreise".

Macht das mal, es lohnt sich.

Die Lage von Arnis an der Schlei:


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Frust am Strand

Steilküste am Weißenhäuser Strand

Heute schreibe ich mir mal (wieder) ein wenig Ärger von der Seele. Wir waren am Sonntag mit Carlo zunächst in einem netten Café in Stein, bevor wir uns auf den Weg zum Weißenhäuser Strand machten. Das war dann schon ziemlich spät am Nachmittag, und wir hatten also nur wenig Zeit zum Fotografieren. Unsere Überlegung: es ist kalt und ein wenig trübe, also haben wir den Strand wohl fast alleine. Ideale Voraussetzungen für einen Fotonachmittag ... sollte man meinen.

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Make Tristesse great again!

Heute sind wir also zu der Feriensiedlung "Weißenhäuser Strand" gefahren, um uns das auch noch mal anzutun anzusehen. Jemand nannte das "Bronx der Bucht", das klang ja sehr interessant und wie eine Vorlage für eine nette, deprimierende Bildergalerie. Aufgrund von ein paar Kommentaren zu unserem Artikel "Frust am Strand" haben wir uns gedacht, jetzt müssen wir doch noch die Feriensiedlung besuchen, die nur ein paar hundert Meter von dem "Strand" entfernt ist. Die Bezeichnung "Strand" hat diese Mülldeponie eigentlich nicht verdient, wie wir selbst gesehen und fotografisch festgehalten haben. Dazu siehe den vorhergehenden Artikel "Frust am Strand".

Ich möchte auch noch mal vorausschicken, dass ich hier meinen und unseren höchstpersönlichen Eindruck von unserem heutigen Besuch beschreibe und diese Beschreibung keineswegs als Rat, Empfehlung, oder was-auch-immer zu verstehen ist.


Der erste Eindruck ist immer der schlimmste beste, sagt man. Naja, von "Eindruck" kann man bei dieser Siedlung wirklich erst mal nicht reden. Beeindruckend geht anders: für Plattenbauten nicht eckig genug, für eine Ähnlichkeit mit Berlin-Marzahn zu klein und für eine Wohlfühlatmosphäre ... jetzt aber aufs Gas getreten und durch den Ort gefegt, am anderen Ende schnell raus, anhalten und Luft holen. Das ist eine Feriensiedlung in Schleswig-Holstein? Im Jahre 2017? Echt jetzt?

Schon die Einfahrt in den Ort hatte etwas Surreales. An der rechten Seite ein fast endlos anmutender, stabiler und undurchsichtiger Zaun. Die Ortsgestalter dort müssen den Wachturm und die Stacheldrahtrollen obendrauf sicherlich nur vergessen haben. Eine Aussicht ist damit nur nach links möglich. In Nordkorea hätte uns wohl ein Aufpasser den ganzen Tag begleitet. Wir haben Carlo dabei, der bei der Ortsdurchfahrt nur kurz aus dem Fenster blickt, aufjault und dann eine halbe Stunde nicht mehr rausguckt (isch schwör, is wahr!).

"Bronx" stimmt insoweit nicht, als dass hier nicht die marodierenden Horden mit Einkaufswagen voll geklauter Fernsehgeräte durch die Straßen ziehen. Das heißt, um genau zu sein: wir haben das nicht beobachtet, und das hat Gründe. Also es kann sein, dass um die Ecke gebrandschatzt und geplündert wird, man kann es aber von der Durchgangsstraße aus nicht sehen. Die Wahrscheinlichkeit ist aber eher null. Bei diesem Schietwetter ist ohnehin kaum jemand draußen.

(Eine Übersichtskarte der Anlage findet sich hier.)

Wir drehen also um, und wagen den zweiten Blick. Am Ortseingang eine Art Park. Das Zufahrtstor (vor dem Parken bei einer nicht näher beschriebenen schweren Strafe verboten ist) weist eine schwere Kette und ein schweres Vorhängeschloss auf. Das Seitentor ist offen, was dem Park keinerlei optischen Gewinn verschafft.

Ein sehr massiver Zaun umrundet diesen Hochsicherheitstrakt. Wie es scheint, ist das auch derselbe Zaun, der uns schon bei der Einfahrt in den "Ort" ein bedrückendes Gefühl erfolgreich zu vermitteln suchte. Im Hintergrund an der Holzhütte mit dem biologisch-ökologisch korrekten Dachbewuchs das Lieblingsschild der Ostseeküsten-Anrainer: "Kasse".

Vor und hinter dem Ort, an jeder Ecke, einfach überall: absolutes Halteverbot. Absolut, ausnahmslos. Die großen Parkplätze sind auf einer Seite, dann die Straße, dann die Siedlung. Die Zufahrten in die Siedlung sind durch Schranken verbarrikadiert. Hindurchfahren geht für Fremde nicht, auch nicht zum Supermarkt im "Zentrum", auch nicht zu einem Restaurant - nichts. Man findet auf Anhieb auch keine Zufahrtsmöglichkeit beispielsweise für Behinderte. Hier sind nur Schranken, Gitter und Zäune. Häßliche Zäune.

Wir drehen uns von diesem Park weg, ohne ihn zu betreten. Das ist auch besser so, wir wären von einer leeren Wasserfläche und einem Schnellimbiß überrascht worden. Hier gibt es eine Schleppeinrichtung für Wasserski. Keinen Park. Man kann um ein paar künstlich angelegte "Teiche" von sehr regelmäßiger Form (d.h., auch künstlichem Aussehen) herumspazieren. Aber dann ist das noch lange kein Park. Soweit vielen Dank an Google Earth, man kann Google Earth nicht oft genug empfehlen, um sich vorher über sein Reiseziel zu informieren.

Und natürlich, um ein geplantes Reiseziel auch schnell mal zu vergessen.

Wir drehen uns nun vom Park weg. Nein, die Innenstadt von Pjöngjang Weißenhäuser Strand ist immer noch da. Carlo will ins Auto. Unter seine Decke.

Wir rollen langsam vorwärts, als der Schmerz in den Augen nachläßt. Links in der Seitenstraße stehen flache Bauten, rechts auch. Die rechts sind höher als die links. Und besser erhalten sind die links, das macht sie aber nur graduell hübscher.

Das Schild "Privatgrundstück" ist nicht zu übersehen. Wir wissen nicht, ob das eine Drohung ist oder nur eine Feststellung. Immerhin hält es uns davon ab, auch mal durch die Siedlung zu spazieren und dort ebenfalls Fotos zu machen. Kann gut sein, dass man mit Fotos von "da drin" eine kräftige Abmahnung einfängt, besonders wenn die Fotos nicht jedem gefallen. Vom öffentlichen Verkehrsraum, wie gesagt, no problem.

Wir haben uns auf der Hauptstraße hindurchgeschlichen und hier und da an der Seite angehalten, dann ein paar Fotos gemacht. Die gesamte Siedlung ist mit Schildern "Privatgrundstück" umgeben. Daher ergeben sich für mich durchaus schon Zweifel an der Rechtmäßigkeit der reihenweise aufgepflanzten Warn-, Droh- und Verbotstafeln. Ein "Willkommen" sieht ganz, ganz anders aus. Ein paar Dänen verlassen die Zufahrt, in der wir kurz anhalten wollen. Weil die ein wenig eng ist, kommen die sehr dicht an uns vorbei. Die haben in der Zufahrt - wie wir auch - nur gewendet. Die Dänen sehen aus, als hätten sie gerade ein Verbrechen mit ansehen müssen: geschockte Mienen, denn diesen Absperr- und Schrankenwahn kennt man aus Dänemark wohl nicht.

Hinter den Eternit-Platten sitzt sicherlich guter deutscher Beton aus den 70ern. Was in den Baujahren zur Isolierung verwendet wurde, ist allgemein bekannt. Die Balkons sind interessant ausgerichtet: man hat entweder die Straße mit dem Durchgangsverkehr im Blick, den "Kassenautomat" oder die Eternitplatten zum Nachbarn. Make Tristesse great again!

Wir fragen uns sowieso, was hier überhaupt jemand will - an diesem grauen Tag bei Nieselregen. Offenbar sind es wie wir Leute, die ein Selfie vor den Ferienbunkern machen wollen, um zu Hause damit anzugeben: "Guck mal, ich war in Pjöngjang!"

Auf der einen Seite der Straße befindet sich ein sehr, sehr langer Parkplatz, natürlich (!) mit Schranke und dem guten deutschen "Kassenautomat". Wir parken hier heute nicht, stellen aber fest, dass der Parkplatz durchaus schon nett ausgelastet ist. Für einen Tag Ende Februar mit wirklich bescheidenem Wetter und viel Nieselregen ist das eigentlich erstaunlich.


Die Tarife haben wir uns nicht angesehen. Am Strand sollen es 10 Euro pro Tag sein. Zu den Preisen hier trifft auch die offizielle Webseite keine Aussage. Für die Gäste der Ferienanlage soll es kostenfreie Parkplätze geben. Die dürften sich hinter den Schranken befinden, einige sind ja auch von hier aus sichtbar.

Warum wir jetzt nicht parken, wenn es woanders nicht geht? Wir wollten eigentlich durch diese Mini-Siedlung spazieren und Fotos machen. Viele Fotos, die die Anlage in all der 70er-Jahre-Pracht zeigen. Sowas sieht man in Schleswig-Holstein kaum ein zweites Mal (und das ist ein erleichternder Gedanke). Wir sind von der Fototour aber abgekommen, weil die Schilder rundherum diesen Ferienort als Privatgrundstück ausweisen. Es ist kaum anzunehmen, dass man da Fußgänger hinwegscheucht, immerhin bringen auch Tagesgäste (der Parkplatz ist zu 1/3 voll!) manchmal Geld herein. Das wird dringend für ein paar Säcke frischen Beton gebraucht, wie man an der einen oder anderen Ecke ja sieht.

Der Grund ist, dass Fotos von Privatbesitz eine Art rechtliche Grauzone darstellen. Hier sind derart viel Verbotsschilder, dass es einen schaudert. Irgendwo steht sicher auch was von "Fotografierverbot". Die Fotos eines Privatgrundstückes zu veröffentlichen ist auch eine andere Sache als ein Spaziergang dort, denn zum Beispiel fehlen Schilder "Betreten verboten" oder "Zutritt nur für Feriengäste". Aber, wie gesagt, in den AGB kann eine solche Klausel verankert sein. Ich wäre auch angesichts des Zustandes mancher Gebäude nicht so sehr überrascht, wenn man keine Bilder von innerhalb der Anlage zeigen dürfte. Wir blieben daher auf der sicheren Seite und fotografierten ausschließlich aus dem öffentlichen Straßenraum heraus. Das fällt unter die Panoramafreiheit, und man kann uns nicht untersagen, diese Bilder zu zeigen.

Hier ist er, der Kassenautomat! Ich bin übrigens auch immer fasziniert von den ganzen Verkehrsschildern im Bündel am Mast, und manche davon noch nicht einmal normgerecht. Hier besteht eindeutig noch Verbesserungsbedarf!

(Schmankerl am Rande: die offizielle Website zeigt auch keine einzige Außenaufnahme wink)

Stilblüten von einem ausführlichen Verbotsschild:

  • Jeder Besucher hat sich so zu verhalten, dass Anstand und Sitte gewahrt (...) werden.
  • Der Verzehr von mitgebrachten Speisen (...) ist verboten! (Ausrufezeichen!)
  • Fundgegenstände sind an das Personal abzugeben. (richtig wäre: beim Personal)
  • Den Hinweisen des Personals ist Folge zu leisten. (Hinweisen? richtig wohl: Anweisungen)
  • Besucher haften für Schäden, die durch ihr Verschulden entstehen. (Da mußte wohl Punkt 13 unbedingt noch Text bekommen. In Deutschland haftet grundsätzlich jeder für Schäden, die er anrichtet. Außer man ist noch nicht schuldfähig, bis zum 6. Lebensjahr. Vermutlich ist Punkt 13 für diese Zielgruppe gedacht. Dann umgeht man das BGB, und die Regelung ist nicht nur überflüssig, sondern auch noch rechtswidrig.

Die Häuser sind mit Nebenausgängen oder auch Brandschutztreppen nachgerüstet worden. Unterhalb der Treppe sieht es genauso einladend aus wie rund um den Kassenautomaten im Bild oben.

Von der anderen Seite sehen die Häuser auch nicht hübscher aus. Den Gästen bleibt der Anblick der Straße nach Osten erspart. Ist auch gut so, gegenüber würde man eh nur auf den Parkplatz starren. In der Saison könnte man immerhin sicher noch den Parkplatzwächter betrachten. Mir ist in touristisch geprägten Orten tatsächlich noch kein Ort untergekommen, der nicht mit einem solchen Individuum ausgerüstet gewesen wäre.

"Eternit" kommt sicherlich von "Eternity" - "Ewigkeit". Ob sich das auf die Haltbarkeit bezieht, oder eine Anspielung auf das gruftige Design darstellt ... man weiß es nicht.

Zwischen den Häusern führen hier und da Pfade in das Innere der Anlage. Davon kann man übrigens auf der offiziellen Webseite der Anlage nicht ein einziges Bild finden. Ich habe dort heute, 26.02.2017, intensiv nach Bildern vom Außenbereich gesucht und nicht eins gefunden.

Nicht alle Fassaden sind schon so beschädigt wie in dem Bild oben. Manche sind einfach nur stark angeschmuddelt. Andere wieder scheinen in jüngerer Zeit neu gestrichen worden zu sein. Wer dieses furchtbare Beige angerührt hat, sollte seinen Firmennamen lieber nicht mit dem Ergebnis verknüpft sehen wollen! Ich finde, Beige ist noch sehr viel trister als Grau. Die fensterlosen Fassaden hätten durch großformatige Graffiti (nicht: Schmiererei, ich rede hier von künstlerischer Graffiti!) sicher gewonnen. In Kiel hat man so eine Fassade von SKY XXL (früher: Plaza) unglaublich bereichert.

Hinter der Reihe von Luftschutzbunkern Apartmenthäusern findet sich noch ein Campingplatz. Dort sind die Schranken Standard wie auf jedem Platz. Die Besucherparkplätze links sind allesamt mit Sperren verschlossen. Oder sind es Parkplätze für die Mitarbeiter? Bis jetzt habe ich auch noch keine Hinweise auf Barrierefreiheit gesehen.

Wenn man sich gleich am Spaßbad mal an die Seite drückt, sieht man eine "Information", die auch ebenso den Eingang zu einem Hochsicherheitsgefängnis darstellen könnte. Noch abweisender gingen die rechts sichtbaren Gitter nicht zu gestalten. Davor übrigens wieder eine der zahlreichen Schranken, mit denen hier jede Einfahrt gegen Feinde Zombies Besucher abgeschottet ist.

Außer absoluten Halteverboten und jeder Menge anderer Gebots-, Verbots-, Hinweis- und Drohschilder gibt es hier nicht mal eine Parkbucht vor einer Infotafel, wo man sich eventuell mal kurz orientieren könnte.


Unteres Bild: Links das Gebäude wird wohl innen saniert. Es steht unten leer, soweit man das sehen kann. Die Laubengänge sind richtig süß retro.

Im Sommer gäbe es hier Aussicht auf den langen Parkplatz, aber da sind die Bäume gnädig bewachsen. Da ist dann auch der Straßenlärm und das Abgas sicher erträglicher.

Von hier an der Straße habe ich mal mit Google Earth nachgemessen, wie weit es bis zum Strand wäre. Ich komme da auf beinahe 900 Meter, und da ist man noch nicht nach links oder rechts gegangen, um sich einen Platz zu suchen. Einfach durch die Stadt, um den Riesenkasten an der Wasserseite herum und dann den Pfad zum Strand.

Die nächste Schranke enthält unter anderem auch rechts ein stilisiertes U-Boot, daneben eine pechschwarze Quallenart. Hat sich die Qualle nun am U-Boot verbrannt, ist ein Torpedo außer Kontrolle geraten? Man weiß es ebenso wenig wie die Antwort auf die Frage, wieso jemand "St. V. O." schreibt statt "StVO". Das steht für "Straßenverkehrsordnung" und nicht für: "Sankt Viktor Orban".

In einer Ferienanlage der 70er darf die Wasserrutsche nicht fehlen. Im Hintergrund sieht man das wohl größte Gebäude hier am Ort. Die Größe macht es nicht schöner. Inklusive zweier Knicks, die noch nicht mal symmetrisch sind und wirken, als sei der Bauplan bei Starkwind halb zusammengefaltet verwirklicht worden, ist die Bude 200 Meter lang.

Das ist nicht weiter schlimm. Auf Malle gibt es Übleres, und Prora wurde nie fertig.

Selbst der Parkplatz für die Bespaßungseinrichtung am Ostrand der Anlage ist "gebührenpflichtig". Wir können uns wegen dem heute nicht so sehr dichten Verkehr auch mal an die Seite quetschen zum Fotografieren, aber der gesamte "Ort" ist durchgehend "absolutes Halteverbot". Wir sind aber auch Verbrecher! wink

Das erste und einzige Schild, wo "bitte" draufsteht. Ansonsten lesen sich die Schilder hier zum Teil ... nun, einem Ostseebad in Schleswig-Holstein entsprechend. Unten rechts wird renoviert, das ist dasselbe Gebäude wie oben schon, andere Seite. Glaube aber keiner, die Farbkombination beige/braun würde sich ändern! Leute mit Farbenphobie müßten sich hier richtig wohl fühlen.

Eine Brücke überspannt den Gehweg zwischen den Gebäuden. Ich nehme mal an, links sind die Eingänge nicht im Erdgeschoß, sonst wäre die Brücke sinnlos. Moment. Man könnte doch auch links eine Treppe herunter und dann normal den Weg überqueren. Denn rechts sieht es nicht aus wie ein Eingang im 1. Stock, sondern nur wie eine Treppe nach unten ...

Hier die Konstruktion noch mal aus der Nähe:

Wenn ich die ganzen Schranken, Treppen, Ketten, Absperrungen sehe, frage ich mich schon: wie sieht es hier wohl mit Barrierefreiheit aus? Ich befrage die offizielle Webseite. Hier das Ergebnis, Stand heute (26.02.2017):

Suchbegriff auf der Website eingegeben Anzahl der Treffer und Inhalte
barrierefrei 0
behinderte

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Der erste Treffer auf der Seite "Allgemeine Informationen" springt wieder zum Suchergebnis zurück. Der zweite Treffer "Allgemeine Informationen zu den Apartments" führt zu einer Informationsseite, dort findet sich lediglich der Satz: "Behindertenfreundliche Unterkünfte auf Anfrage". Weitere drei Links führen zu Informationsseiten über Apartments in div. Anlageteilen, die als "behindertenfreundlich" bezeichnet werden.
Ich kann mir vorstellen, dass Menschen mit bestimmten Behinderungen schon gerne wüßten, wie das im einzelnen gemeint ist.

allergie

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Der Link führt zu einem Angebot für Schlammpackungen.

 

nichtraucher

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Dieser Treffer verlinkt auf die Seite "Allgemeine Informationen", man sieht den Teaser und kann auf "Mehr lesen" klicken. Dann ist man sofort wieder auf dem Suchergebnis und kann "Mehr lesen" klicken, bis der Arzt kommt.

Die grauen Häuser links und rechts sind offensichtlich viel neuer als der Rest der Anlage. Die zur Straße hin heruntergezogene und anscheinend fensterlose Dach- /Wandfläche dürfte auf den, der die Straße betreten darf muss, wie eine Art Bunker wirken. Einladend geht wirklich anders.


Tatsächlich. Von hier sieht es so aus, als sei eine Reihe Flachdach-Hochhäuser gesprengt worden und umgefallen. Die dunkelgrauen Flächen wirken weder edel noch pfiffig, sondern einfach nur ... deprimierend. Keine Fenster zur Straße. Nada. Niente. Nichts. Brrrr.

Erleichtert verlassen wir so schnell wie möglich diesen trübseligen Ort. Wir sind echt erstaunt, dass die Anlage schon Besucher hat (bei diesem Wetter an den Strand ist ja nicht für jeden was), aber eventuell gibt es ja auch Dauergäste oder Rentner, die hier ihre Zeit verbringen dürfen müssen.

Mit Verboten hat man es hier in der Gegend sowieso. Die Dämme stehen auf der anderen Straßenseite, das Schlammloch da unten ist wirklich nicht befahrbar. Aber ein Ausrufezeichen! Verboten! Verboten! Ich finde, der Schildermaler verdient unser aller Anerkennung. Eine Tüte Applaus, bitte.

Die erste Ente begeht nach dem Überflug über den Weißenhäuser Strand Suizid. Wahrscheinlich folgt der Erpel sogleich nach. Ich ging weg, das war einfach zu traurig.

Blick nach links, und hier ist der Ortseingang. Hinter der Kurve liegt Nordkorea ein deutscher Ferienort an der Ostseeküste. Der Grenzzaun zieht sich bis in den Ort hinein. Der geneigte Leser kann den Inhalt des Schildes am Tor sicher erraten: "Einfahrt freihalten! (Ausrufezeichen!) Widerrechtlich abgestellte Fahrzeuge werden kostenpflichtig abgeschleppt! (Ausrufezeichen!)"

Ja, da macht der Urlaub doch gleich noch mal so viel Spaß: beige bemalter kaputter Eternit, "Verboten!", "Widerrechtlich!", "Kostenpflichtig!", "Kassenautomat!" sind Worte, die den Urlauber innerlich erwärmen. Manche jedenfalls. Ich persönlich kriege bei dieser Beballerung mit Vorschriften nur Blutdruck.

Eine Treppe führt auf den Deich, den man nicht betreten darf. Das Schild, dass man das nicht darf - wir erinnern uns: "Verboten!" - steht auf der anderen Straßenseite. Ich schreibe mal die Verwaltung dort an. Neben der Treppe ist definitiv noch Platz für viele Verbots- und Drohschilder.


Die "St. V. O." gibt einiges an Schildern her, und hier scheint ein Vertreter für Verkehrsschilder mit seinem Musterkoffer explodiert zu sein. Schaut mal bis zum Horizont, hier ist alles voll mit Blech am Stiel. Die Leitplanke schützt auch nicht den Verkehr, sie soll nur die verbrecherischen Falschparker an ihren Missetaten hindern. Das sahen wir ja schon am Strand, vgl. "Frust am Strand".

Kein Radfahrer auf der ganzen Welt wird hier absteigen. Es ergäbe sich übrigens aus dem Schild hinten rechts. Das ist nämlich ein gemeinsam genutzter Fuß- und Radweg. Wenn Fußgänger behindert würden, müßte der Radfahrer sowieso absteigen. Macht ja nichts, Hauptsache ein Schild aufgebaut.

Das soll es nun zu diesem niederschmetternden Ort gewesen sein. Kann sein, dass es hier im Sommer netter aussieht, kann auch nicht sein. Plattenbau mit schmuddeligen Fassaden in grottigem Beige sieht niemals wirklich einladend aus. Schranken an jeder Zufahrt und Verbote mit Ausrufezeichen wirken auch nicht gerade überfreundlich. Mich erstaunt, was sich der deutsche Urlauber noch alles gefallen läßt. Für die Übernachtung eines Hundes werden pro Nacht 12 Euro berechnet. Es gibt einen Hundestrand an der Anlage, scheinbar ist das aber auch Privatbesitz (sonst müßte die Zufahrt ja frei sein). Ich lasse das einfach mal so stehen. Mehr als zwei Hunde darf man auch sowieso nicht mitbringen.

Zu den anderen Preisen kann ich nichts sagen, weil wir eh nur mit dem Wohnmobil Urlaub machen und höchst selten mal auf ein Hotel ausweichen. In dieser Anlage gibt es ein Sonderangebot für Senioren, eine Woche kostet in der sog. "Saison C" (23.06.2017 bis 03.09.2017) pro Person 409,00 Euro. Die Preistabelle scheint ab März 2017 in nur noch zwei Preiskategorien aufgeteilt zu sein.

Ich war übrigens mal neugierig, und habe nach einer Woche Malle gesucht. Sonnenklar.tv ist der erste Treffer, nehmen wir das mal. Ich finde für eine Woche Halbpension Preise aufgerufen von 328 €, 331 €, 333 € usw. usw., alles inclusive Flug ab Hamburg oder Hannover. 

Wie geht denn das? Ich kann auf Malle in einem Plattenbau untergebracht werden und an der Ostseeküste auch. Auf Malle ist es wärmer und sonniger (meistens).


Wir fahren nun ein wenig weiter Richtung Strand. Da gibt es einen schönen alten Weg, der aber inzwischen schon stark zugewachsen ist. Diese Allee gehört leider zur Zufahrt zum Weißenhäuser Strand, und wie trübselig der ist, habe ich ja schon mal geschrieben ("Frust am Strand"). Die folgenden Bilder stammen allesamt von Angel.

Das Gras sieht flauschig aus, oder?

Je nach Bildausschnitt verändern sich die Farben. Im Hintergrund die Straße rechts führt nach Oldenburg in Holstein.

Hier das flauschige Gras noch einmal nah herangeholt.

Die Bäume sind alt, der Weg wird von Spaziergängern noch genutzt.

Im Hintergrund sieht man schon jemand auftauchen.

Die Bäume wirken dann mehrfach höher, als sie wirklich sind. Kann man bei solchen Aufnahmen mit dem Tele öfter feststellen!

Der Baum hier wird von uraltem Efeu umklammert.

Lage der Feriensiedlung Weißenhäuser Strand:


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Laboe und Kieler Förde

Blick vom Marine-Ehrenmal Laboe nach Stein

An einem sehr, sehr kalten Tag im Januar 2014 sind wir mal auf das Ehrenmal in Laboe geklettert. Zunächst haben wir das davor liegende U-995 besucht und dort drin fotografiert. Als uns die Zeit weglief (Öffnungszeiten!), sind wir schnell rüber zum Marine-Ehrenmal und dort gleich mit dem Aufzug auf die oberste Plattform.

Dort oben pfiff nicht nur ein unangenehm kalter, schneidender Wind, sondern es fing auch (wegen der Wolken ja wie erwartet) an, heftig zu regnen. Es gab ein paar große Wolkenlücken, aber insgesamt zogen die sehr schnell über den Himmel. Geschätzt waren das sicherlich sechs bis sieben Windstärken. Doch zwischen den heftigen Regenschauern kam immer wieder die Sonne durch, und es gelangen schöne Bilder bei fantastischem Licht! Manchmal lohnt es sich, bei so einem Schietwetter auszuhalten.

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