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In der verfallenen Ziegelei

Die verfallene Ziegelei

In Vorbereitung einer zweiwöchigen Rundreise zu einigen der vielen Lost Places auf meinen sorgfältig behüteten Karten entdeckte ich im Frühjahr 2013 eine auffällige Gebäudestruktur auf einer Luftaufnahme. Schnell stand fest, daß es sich hier um eine ehemalige Ziegelei handeln mußte. Die Dächer waren deutlich erkennbar schon eingefallen, aha: ein Lost Place. Ob sich noch Gebäudeteile finden lassen würden?

Immerhin sind die üblichen (Satelliten- / Luft-) Aufnahmen, die ich für meine gelegentliche Suche nach interessanten Orten verwende, manchmal schon ein paar Jahre alt. Da befinden sich noch Gebäude an längst geräumten oder gar schon überbauten Orten. Aber hier wäre das nicht schlimm gewesen: gleich um die Ecke befindet sich ein recht feiner Stellplatz für das Wohnmobil direkt an einem Flußufer, für eine Zwischen-Übernachtung auf der Rundtour lag der Ort also perfekt.

Am 07.04.2013 mußte ich dann ein paar hundert Meter über eine üble Beton-Buckelpiste rumpeln. Am Rande einer kleinen Siedlung und nur halbherzig eingezäunt befand sich dann dieses Gebäudeensemble.

Diese Ziegelei wurde 1880 erbaut und war damals der modernste Ziegeleibetrieb weit und breit. Der Maschinenpark war damals hochmodern, es gab einen Hoffmannschem Ringofen, Tonschneidemaschinen, Strangpressen und mehr. Die Produktpalette umfaßte vorwiegend Mauersteine und teilweise auch Dachsteine. Es gab auch eine Gleisanlage mit Loren und Lokomotiven.

Die Anlage wurde schon in der siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts stillgelegt und verfällt immer mehr. Inzwischen sind auch die Ziegeleien in der Nähe stillgelegt und wahrscheinlich schon abgerissen, weil die Tongruben erschöpft waren. Trotz dieses langen Zeitraums hat vermutlich eine wache Nachbarschaft dafür gesorgt, daß Schwerathleten nicht auch noch die letzten Maschinen stehlen. Hier befinden sich also noch tonnenschwere Maschinenteile und sogar recht wertvolle Elektromotoren, und deswegen wird die Lage der Location auch nicht genauer beschrieben.

Die Ziegelei besteht aus:

  • einem Hauptgebäude, offenbar mit Verwaltungs-Büros, einer Kantine und einem wahrscheinlich als Küche /als Essen-Ausgabe dienenden Nebenraum,
  • einer inzwischen eingestürzten und leeren Lagerhalle, möglicherweise wurden dort die Ziegel versandfertig auf Paletten gestapelt,
  • einem recht kleinen Gebäude, das ich nicht mehr vor Ort auffand und von der Größe her als Schuppen bezeichnet werden könnte,
  • eine Zufuhr-Rampe für das Rohmaterial, die in den ersten Stock des eigentlichen Produktionsgebäudes führt. Ganz schwach ist auf einer Satellitenaufnahme eine Spur erkennbar, die einst ein Gleis von der Feldbahn gewesen sein dürfte.
    Im nahen Kanal ist direkt bei der Ziegelei eine Ausbuchtung erkennbar, die dreieckig auf den Rundofen zeigt, vielleicht legten hier früher Lastkähne an?
  • und schließlich der große, heute kaum zugängliche Rundofen Bauart "Hoffmann" mit einem inzwischen schon windschiefen gemauerten Schornstein.

Dieser Ort beschäftigte mich dann etwa 90 Minuten, ein kleiner und doch sehr interessanter Ort.

Die Galerie:

Die Lage:

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