Die ehemalige SS-Brotfabrik an der Lehnitzschleuse in Oranienburg war eine von Häftlingen des KZ Sachsenhausen errichtete und betriebene Großbäckerei. Sie diente während des Nationalsozialismus der Großversorgung der Schutzstaffel (SS), der Wehrmacht sowie des Konzentrationslagers selbst und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Konsum-Großbäckerei weitergeführt. Heute ist das dreigeschossige Gebäude ein geschütztes Baudenkmal, das nach jahrzehntelangem Verfall als historischer Bildungsort wiederbelebt werden soll.
Ab 1938/1939 zwang die SS-Eigentumsgesellschaft „Deutsche Ausrüstungswerke“ (DAW) Häftlinge des KZ Sachsenhausen zum Bau der modernen Großbäckerei. Das Areal lag strategisch günstig direkt am Hohenzollernkanal (heute Oder-Havel-Kanal) nahe der Lehnitzschleuse.Verzögerung: Wegen kriegsbedingter Engpässe bei der Materialbeschaffung konnte die eigentliche Produktion erst im März 1941 aufgenommen werden. Kurz nach dem Start übernahm das SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt (WVHA) unter Oswald Pohl die direkte Kontrolle.
Rund 80 Häftlinge (unter anderem aus Polen, Lettland, Deutschland und den Niederlanden) mussten unter brutalen Bedingungen im „Bäckereikommando“ arbeiten. Anfangs marschierten sie täglich vom Hauptlager zur Fabrik; ab 1943 wurden sie im nahegelegenen Außenlager Klinkerwerk untergebracht.
Durch die Einführung von Schichtarbeit rund um die Uhr und den Einbau zusätzlicher Öfen wurde die Produktion von anfänglich 10.000 auf bis zu 40.000 Laib Brot täglich im Jahr 1944 hochgefahren. Beliefert wurden das KZ-Hauptlager Sachsenhausen, SS-Dienststellen in Berlin und Umgebung, Einheiten der Wehrmacht sowie teilweise zivile Abnehmer.
Ende April 1945 floh die SS. Nach der Befreiung übernahm die Rote Armee das Werk und backte dort weiter Brot, um die geschwächten Überlebenden des Lagers und die Bevölkerung zu versorgen. Im Jahr 1948 übernahm die regionale Konsumgenossenschaft den Betrieb. Zu DDR-Zeiten wurde die Fabrik als VEB Konsum-Backwarenkombinat Potsdam (Betriebsteil Oranienburg) modernisiert und versorgte jahrzehntelang die Region mit Backwaren.
Nach der deutschen Wiedervereinigung war der Betrieb nicht mehr konkurrenzfähig und wurde im Mai 1991 geschlossen. Das Gebäude wurde zum verlassenen Ort („Lost Place“). Im Jahr 1994 vernichtete ein schweres, gelegtes Feuer große Teile des Dachstuhls und des historischen Innenraums. Trotz des ruinösen Zustands steht das Areal der Brotfabrik als Teil des Klinkerwerk-Komplexes seit dem Jahr 2000 offiziell unter Denkmalschutz. Aktuell gibt es lokale Initiativen und Pläne, die Ruine vor dem endgültigen Verfall zu retten und das Gelände in einen zeitgeschichtlichen Bildungsort sowie ein Museum umzuwandeln.
















































