Für Umbauarbeiten braucht man Zeit, Ruhe und auch vernünftiges Werkzeug
Für Umbauarbeiten braucht man Zeit, Ruhe und auch vernünftiges Werkzeug

Seit einigen Jahren schon möglich, wird eine Umrüstung auf einen anderen Akku-Typ bei der Aufbaubatterie immer attraktiver. Grundsätzlich unterscheiden sich die Akkus deutlich. Ich gehe mal davon aus, wie bei uns sei das Fahrzeug mit AGM-Akku ausgeliefert worden, und ihr überlegt den Umstieg. Uns fiel die Entscheidung nicht allzu schwer, ich hatte mich lange vorher schon eingelesen und war schnell von den Vorzügen überzeugt. Wir stehen gerne lange völlig frei, haben alles auf 12 Volt laufen und im Winter war es nach spätestens 24h mit der serienmäßigen 80Ah AGM schon recht mau.

Empfehlung - ja, umrüsten - aber planvoll!

Zunächst man die Eigenschaften der beiden Akku-Typen:

Eigenschaft LiFePO₄ AGM
Anschaffungskosten Hoch Niedrig
Gewicht ca. 30–50 % leichter Deutlich schwerer
Nutzbare Kapazität 80–100 % 40–60 % empfohlen
Lebensdauer 3.000–6.000 Ladezyklen 300–800 Ladezyklen
Ladegeschwindigkeit Sehr schnell Langsamer
Wirkungsgrad 95–98 % 80–90 %
Selbstentladung Sehr gering Gering
Wartung Wartungsfrei Wartungsfrei
Spannung unter Last Sehr konstant Fällt mit Entladung deutlich ab
Tiefentladung Meist durch BMS geschützt Schädlich

 

Ich habe also beim LiFePo4-Akku die Vorteile von: doppelter nutzbarer Kapazität (bezogen auf Nenn-Kapazität), halbes Gewicht und heute (2026) noch etwa doppelt so hoher Anschaffungspreis. Den Preis habt ihr, weil ca. zehnfache Anzahl Ladezyklen möglich, sehr schnell wieder raus. Der einzige Nachteil ist, dass ein kalter LiFePo4-Akku sich nicht laden lässt. Unter 0°C schadet man durch Laden dem Akku. Aber entweder wird das Fahrzeug nicht im Winter genutzt, oder der Batteriekasten ist irgendwie beheizbar, oder aber der Akku hat eine eigene eingebaute Heizung.

Insofern bis hierher - nur Vorteile!

Die Umrüstung nur des Akkus ist einfach. Wer einen 10er und einen 13er Schlüssel festhalten kann, kriegt auch den Akku getauscht. So geht's:

  1. Den vorhandenen Akku ausmessen. Am besten gucken, was noch im Kasten Platz hat. Oft ist nur eine kleine 80Ah-Version verbaut und es ist noch Luft für was Größeres! Ich würde bei der Gelegenheit den größten Akku einsetzen, der noch passt. Achtet darauf, dass im Batteriekasten noch andere Installationen sind wie vielleicht das Ladegerät oder die Außensteckdose - da wollt ihr vielleicht auch noch mal ran, ohne alles auseinanderzubauen!
  2. Neuen Akku bestellen /besorgen. Genau auf die Abmessungen (Herstellerangabe) achten! Die Lage der beiden Pole ist ebenfalls wichtig, denn bei andersrum angebrachten Klemmen reichen die Kabel vielleicht nicht.
    Wo kaufen? Ihr bekommt die Dinger überall praktisch nachgeworfen inzwischen. Der Haken bei den billigen Teilen ist, man weiß nicht was drin steckt. Ein Batterie-Management sollte verbaut sein und ja, du kriegst tatsächlich auch heute noch welche "ohne"! Guckt euch um, was die Marken sind, lest Testberichte und Erfahrungen anderer. Wir haben sofort nach dem Kauf des Wohnmobils auf eine Supervolt Polar 150Ah umgerüstet und die arbeitet seitdem komplett unauffällig.
  3. Mit dem Strom nicht sparsam sein!
    Mit dem Strom nicht sparsam sein!
    Den neuen Akku vorbereiten, indem er langsam vorgeladen wird. Wie das funktioniert, erklären viele spezialisierte Seiten besser als ich. Im Prinzip lädt man ihn langsam bis voll und entlädt ihn dann unter Last einmal komplett. 
  4. Einen Feuerlöscher oder eine Löschdecke hat man griffbereit. In einem vollen Akku ist genug "Bums", um einen unachtsam bewegten Schraubenschlüssel aufleuchten und schmelzen zu lassen. Gasflaschen zudrehen.
  5. Alle Systeme im Aufbau abschalten (Hauptschalter).
  6. Im Batteriekasten von der Aufbaubatterie zuerst das Massekabel abschrauben. Sind zwei Akkus im Kasten, dann zuerst das Kabel abnehmen, was von den Akkus an die Fahrzeugmasse führt. Ist die Verkabelung alt und verbastelt, mindestens Kabel markieren, besser aber über Neuverkabelung nachdenken! Das Kabel-Ende vielleicht in eine Plastiktüte wickeln, das isoliert.
    Danach auch Pluskabel abnehmen. Aufpassen, dass dabei der Schraubenschlüssel keinen Masseschluss herstellen kann.
  7. Am Ladegerät und, wenn vorhanden, am Solar-Regler den Batterietyp umstellen (Lade-Kennlinie). Meist ist schon "LiFePo4" einstellbar. Ältere Geräte sollten mit der "AGM"-Einstellung auch klarkommen. Die Umstellung geschieht an den winzigen DIP-Schaltern. Im Zweifel in die Anleitung schauen, oder den Hersteller fragen. 
  8. Neuen Akku einschieben, Akku am Fahrzeug mit Sicherungsschiene oder -gurt befestigen. Pluskabel anschrauben.
  9. Wenn das Massekabel schließlich angeschraubt wird - erst vorsichtig an den Minuspol des Akkus führen: winzige Fünkchen wären noch okay, irgendwelche Verbraucher sind vielleicht doch noch aktiv. Ein kräftiger Funke deutet auf ein Problem - Fachmann fragen!
  10. Strom einschalten, es sollte ohne weiteres funktionieren - so war das bei uns.

Ein LiFePo4.Akku wird manchmal mit einer App geliefert, die gibt über alles mögliche Auskunft. Das läuft auf dem Smartphone über Bluetooth-Verbindung. Die App braucht man unbedingt, bitte installieren und nach Vorgabe mit dem Akku verbinden.

Wir haben beispielsweise eine Supervolt Polar 150Ah - "Polar" bedeutet, dass eine interne Heizung verbaut ist. Wird unterhalb einer bestimmten Temperatur geladen (auch über Lichtmaschine), geht der Strom erst in die Heizung und heizt den Akku. Wenn der nach ca. 10 Minuten warm genug ist, setzt die Ladung dann ein.

Fahrzeuge mit neueren Abgasnormen

Unser Renault Master hat einen 2,3-Liter-Diesel, der Euro "6d final" erfüllt. Die Norm erreicht er unter anderem durch "Sparschaltungen" der Aggregate. Sehr simpel erklärt: die Lichtmaschine füttert die Fahrzeugbatterie nicht komplett. Eine Wohnraumbatterie berücksichtigt die Lichtmaschine gar nicht. Das bedeutet: Fahrzeugbatterie "voll" und Lichtmaschine macht Pause (spart natürlich Leistung), die Wohnraumbatterie kriegt nichts ab. Ist die nach einer Nacht am Strom voller als die Fahrzeugbatterie, kann sie sich u.U. sogar in diese Richtung entladen. Das muss nicht bei jedem Fahrzeug so sein, und ist auch nur laienhaft erklärt, aber gegen das Problem hilft ein Extra-Gerät.

Der Ladebooster

Das Gerät macht vereinfacht gesagt nur dieses: es gaukelt der Lichtmaschine vor, sie müsse jetzt leider mal ordentlich powern, weil Akku leider leer. So wird das Sparprogramm überlistet und man bekommt die Wohnraumbatterie auch randvoll. Der Haken ist natürlich, das kleine Gerät braucht etwas Platz und es muss sorgfältig verkabelt werden, vor allem mit den richtigen Kabel-Querschnitten. Weil man dafür die Kabelschuhe unmöglich als Laie sicher pressen kann (scheitert schon am fehlenden Werkzeug), ist der Einbau vom Ladebooster entweder was für einen Fachbetrieb oder jemand, dessen Hobbykeller wirklich gut ausgerüstet ist. Die Verschaltung ist kein Hexenwerk, aber für Anfänger nun auch nicht ohne.