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Übermittlung verschlüsselter Texte

Fernschreiber Lochstreifen

Die Übermittlung von Texten in verschlüsselter Form ist nicht immer und für jeden Absender einfach. Verschlüsselt man Texte so, dass sich nur Ziffern und /oder Buchstaben ergeben, so kann man die Texte gut handschriftlich notieren oder in einer Email aufschreiben. Sie lassen sich dann auch mit Morsezeichen durchgeben oder einzeln als gesprochener Text. Nicht alle Methoden sind aber für jeden Absender geeignet.

Dieser Artikel beschäftigt sich aus naheliegenden Gründen eher mit der Kommunikation zwischen Agent und Geheimdienst, statt mit der Kommunikation von Privatpersonen.

Beispielsweise fallen verschlüsselte Texte auf den ersten Blick auf. Eine geheime Kommunikation sollte am besten überhaupt nicht wahrgenommen werden, denn Aufmerksamkeit auf Sender und Empfänger zu lenken, gefährdet die Kommunikation insgesamt. In repressiven Staaten verschwindet schon mal ein verdächtiger Kommunikationspartner auch ohne den Beweis einer vorliegenden Straftat wie z.B. Spionage. Und dass das Festhalten von Personen über viele Jahre ohne Beweise, ohne Anklage, ohne Rechtschutz - dafür aber mit zahlreichen Folterungen kein Privileg von obskuren Diktatoren ist, beweist ja nicht zuletzt das von den USA betriebene Folterlager in Guantanamo Bay.

Einen schriftlich festgehaltenen Text kann man mit der Post verschicken. Dafür muss man sich sicher sein, dass die Post nicht zensiert oder geöffnet wird. Ich würde darauf inzwischen in keinem einzigen Land mehr eine Wette abschließen wollen. Ein verschlüsselter Text macht heute leider immer noch verdächtig, auch wenn das in vielen Ländern - noch - nicht verboten ist. Mindestvoraussetzung wäre hier eine fiktive Absender-Adresse (Briefe ohne Absenderadresse werden in manchen Ländern immer geöffnet, einige Ländern scannen und speichern inzwischen auch jeden einzelnen im Inland verschickten Briefumschlag [vgl. hier]).

Die Übermittlung in einer Email ist da auch nicht viel besser, eher sogar noch schlechter. Etliche Staaten sind in den letzten Jahren dazu übergegangen, die gesamte Kommunikation der Bürger abzusaugen und zu speichern. Wer verschlüsselte Nachrichten versendet, fällt schon mal auf und zieht dann sicher auch andere Maßnahmen auf sich.

Der Betrieb eines Funksenders bedarf in den meisten Staaten einer Genehmigung. Für Funkamateure gelten in allen Staaten strenge Regelungen. So dürfen verschlüsselte Nachrichten nur in den wenigsten Ländern übermittelt werden. Einen Schwarzsender zu betreiben - der klassische Agentensender also - bedeutet in den meisten Fällen eine Menge logistischen Aufwand. Der Sender muss gut versteckt werden, die Sendestandorte sind im dicht besiedelten Europa beispielsweise sehr begrenzt, der Agent kann praktisch nicht ohne aufwendige Vorbereitungen eine Nachricht übermitteln.

Treppe in Bletchley Park

(Das Bild zeigt den Eingang zu einem Gebäude in Bletchley Park: in der Ziegelmauer könnte sich hinter einem losen Stein ein Hohlraum befinden, der Nachrichten aufnehmen kann)

Eine Kommunikation muss mindestens durch den Sender abgestritten werden können. In den meisten Fällen dürfte es sich um einen Agenten handeln, der Spionage gegen das Land betreibt, in dem er eingesetzt wird. Den Empfänger wird man kaum erreichen können, da er sich meist im Ausland befindet. Man wird sich an den Spion halten, dies mit harschen Strafen: ihm darf also die Urheberschaft an einer Nachricht nicht nachgewiesen werden können. Indes schützt das natürlich nicht vor Willkürjustiz, die auch ohne Beweise auskommt, siehe weiter oben ...

Als Erschwernis kommt meist hinzu, dass die Kommunikation aus dem Einsatzgebiet heraus gesehen "ins Ausland" erfolgt. Da gibt es weitere und zusätzliche Hürden, die zu berücksichtigen wären. So ist es derzeit nicht sicher möglich, unbelauscht Auslandstelefonate zu führen. In einigen Ländern wird jeder einzelne Briefumschlag gescannt, gespeichert und sicherlich auch geheimdienstlich ausgewertet. [1]

Es gibt zahlreiche praktikable Möglichkeiten - nicht alle sind in jedem Fall handhabbar oder gar "sicher". Die folgende Tabelle zeigt dazu eine - sicher unvollständige - Übersicht:

Übermittlungsart Beschreibung Schnelligkeit Abhörsicherheit Abstreitbarkeit
Brief Chiffrat notiert, niemals handschriftlich, nur Schreibmaschine oder PC langsam, je nach Land (abhängig von Postlaufzeiten) in vielen Ländern nicht (mehr) gegeben gut, wenn auch forensische Spuren wie DNA, Fingerabdruck etc. fehlen. Schlecht, wenn Vergleichsmaterial für Papier, Briefumschlag etc. beim Absender gefunden wird
Postkarte Kann keine klassisch chiffrierten Nachrichten enthalten, sondern allenfalls Wortcode wie vor nein schlecht, die Postkarte kann fast nur handschriftlich erstellt werden, alles andere fällt noch mehr auf
Funk Morsezeichen oder Ablesen eines Textes praktisch Echtzeit nein Stimmanalyse für Sprechfunk, ansonsten müsste der Sender gefunden werden mit weiteren forensischen Spuren
Email [2] Kann praktisch jedes Zeichen aus dem Zeichenvorrat eines PC enthalten meist wie Echtzeit so gut wie "nein" ja, wenn weitere Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden (Zugang durch TOR-Netzwerke, Transportverschlüsselung etc.)
Steganographie [3] Die Information ist praktisch unsichtbar z.B. in einer Bilddatei versteckt als Anhang zur Email, Veröffentlichung auf einer Website etc. = sehr schnell ja, wenn nicht einzelne Bilder übertragen werden, sondern das Einzelbild in der Masse untergeht ja, Sicherheitsvorkehrungen wie bei Email erforderlich
Toter Briefkasten [4] vereinbarte Orte, an denen schriftliche Notizen /Datenträger versteckt werden können zeitlicher Sicherheitsabstand zwischen Ablage der Nachricht und Abholung nur bedingt ja, wenn eine Beobachtung durch die Gegenseite ausgeschlossen werden kann. Sehr fatal, wenn das nicht der Fall ist: es werden dann gleich zwei Personen kompromittiert (Agent und Abholer)
Telefon Wortcode, Chiffrat möglich Echtzeit nein nein (Sprachanalyse, Aufzeichnungen, Stimmvergleiche), Angerufener identifizierbar
Persönliches Treffen Klartext möglich, eventuell Wortcode in der Öffentlichkeit Echtzeit bedingt mit Richtmikrofon u.U. abhörbar, ermöglicht der Gegenseite das Festsetzen der Kontaktperson (außer wenn Treffen nicht im Einsatzland stattfindet)

Geht das auch "harmlose" Privatpersonen etwas an?

Ich würde mich heutzutage nicht mehr darauf verlassen, dass Privatpersonen verschlüsselt über längere Zeit miteinander kommunizieren können, ohne die Aufmerksamkeit von "interessierten Stellen" auf sich zu lenken. Dabei ist nicht die "Transportverschlüsselung" gemeint, die auch diese Website verwendet und die die meisten Mailprogramme inzwischen verwenden, sondern die "Inhaltsverschlüsselung", d.h. der codierte Text.

Insbesondere wenn ein Kommunikationspartner im Ausland sitzt, dürfte sich verschlüsselte Kommunikation als problematisch erweisen. Kommuniziert man mit Leuten im "feindlichen" Ausland, ist dies heutzutage für den Absender durchaus eine nennenswerte Gefahr, von harschen staatlichen Maßnahmen überzogen zu werden. Leider gibt es auch hierzulande Vertreter der idiotischen Auffassung, wer nichts zu verbergen habe, brauche auch keine verschlüsselte Kommunikation.

Noch einmal: es ist bei uns in Deutschland völlig legal, verschlüsselt miteinander zu kommunizieren. Selbst wenn ich einen Drogendeal verabreden würde, wäre die Verschlüsselung als solche nicht illegal, sondern "nur" die eigentliche Straftat.

Quellen und Nützliches

  1. https://www.golem.de/news/ueberwachung-usa-scannen-jede-snail-mail-1307-100197.html Die US-Post scannt jeden Briefumschlag: "US-Ermittler bezeichneten das Umschlagscannen als von unschätzbarem Wert, auch in Zeiten der elektronischen Kommunikation. "Es ist eine Fundgrube an Daten", sagte der frühere FBI-Ermittler James J. Wedick (...)"
  2. Eine Email kann ich mit einem frei verfügbaren Zusatzprogramm verschlüsseln (PGP/MIME, siehe https://de.wikipedia.org/wiki/PGP/MIME). Die Verschlüsselung kann man mit einem mehrfach verwendeten Schlüssel vornehmen, oder aber die Schlüssel regelmäßig wechseln. An eine Email kann man auch verschlüsselte Dateien anhängen.
  3. Steganographie wird hier gut beschrieben: https://de.wikipedia.org/wiki/Steganographie und bedeutet das "Verstecken" von Nachrichten in anderen, harmlos erscheinenden Dateien.
  4. Tote Briefkästen sind vereinbarte Orte, an denen Nachrichten hinterlassen /abgeholt werden können (https://de.wikipedia.org/wiki/Toter_Briefkasten). Es können aber auch Alltagsgegenstände gemeint sein, in denen Nachrichten zu verstecken sind. Es darf nicht auffallen, wenn sich jemand am Toten Briefkasten aufhält, d.h. er muss sich im öffentlichen Raum befinden (Zaun, Grabstein, Parkbank, Telefonzelle). Ein Unbefugter darf die Nachricht nicht zufällig finden, sie muss vor Witterung geschützt sein. Wird die Nachricht in einem Gegenstand versteckt (Kugelschreiber etc.), so kann sie nur sehr klein sein. Wird ein Agent abgefangen, wird dieser Gegenstand fast sicher irgendwann als Toter Briefkasten erkannt.

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