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Das letzte Gefecht

Jetzt fand ich auf rubikon.news einen - wie ich meine - weiteren überaus lesenswerten Artikel. Ich finde, Nachdenken lohnt sich durchaus. Hier nun der vollständig übernommene Text (Formatierungen angepaßt, Lizenz am Ende des Textes):

Und wieder einmal starren wir gebannt auf die Bühne, wo eine Handvoll Zauberer mit mächtig viel Kunstnebel und Glitterregen schwarzen Zylinderhüten ein paar braun-weiß gefleckte Kaninchen entsteigen lassen, während hinter unser aller Rücken unscheinbare graue Männer unbemerkt und hämisch lachend die Geldbörsen aus unseren Hosentaschen ziehen.

Alle haben wir nun seit Wochen, seit Monaten Angst. Viele treibt die Angst vor einem Killervirus um. Eine wachsende Zahl hat Angst um ihre wirtschaftliche Zukunft und vor den sozialen, psychischen und gesundheitlichen Auswirkungen des Lockdowns. Und spätestens seit der im Eilverfahren und weltweiten Gleichschritt erfolgten Außerkraftsetzung der Grundrechte können auch diejenigen Menschen nicht mehr ruhig schlafen, die bislang glaubten, in einem Staat zu leben, der fest auf dem Boden des Grundgesetzes steht und demgemäß den Schutz der Menschenwürde unverrückbar in seinem innersten Kern verankert hat.

Die Dauertraumatisierung lähmt unsere Fähigkeit, aus unseren eigenen Wahrnehmungen logische Schlüsse zu ziehen und auf dieser Basis sinnvolle Maßnahmen zu ergreifen, wie beispielsweise uns mit aller Macht aus der aktuell immer bedrohlicher werdenden Lockdown-Situation zu befreien. Wir verharren wie das Kaninchen im Zylinder des Zauberers in einer geduckten, eingefrorenen Abwehrbewegung, gefangen in Gefühlen von Hilflosigkeit und schutzloser Preisgabe.

Wenn es uns nun aber gelingen würde, für einen kurzen Moment den Blick aus dem Panik-Tunnel zu lösen und nach New York schweifen zu lassen und dort nicht ausschließlich auf das unmittelbare Coronavirus-Geschehen zu starren, könnten wir da vielleicht noch etwas anderes sehen?

Ja, das könnten wir und zwar ein paar kleine, graue Gestalten, die hinter einem großen grünen Vorhang kauernd gerade einige zentrale Schalthebel unseres Geldsystems umlegen beziehungsweise schon umgelegt haben.

Es sind die FED und die ihr angeschlossenen Privatbanken, die durch ihre Corona-Hilfspakete und das Abschießen des „Mindestreserveerfordernisses“ fast unbemerkt plattentektonische Verschiebungen des Finanzmarktes bewirkt haben.

Die FED erklärt, dass sie das reibungslose Funktionieren des Markts der Staatsanleihen und hypothekenbesicherten Wertpapiere stützen will, weil dieser Markt angeblich für den Kreditfluss an private Haushalte und Unternehmen von zentraler Bedeutung sei (1).

Demgemäß hat sie das gesamte Volumen des Hilfspakets in Höhe von 700 Milliarden US-Dollar in den Ankauf ebensolcher Anleihen und Wertpapiere von den Geschäftsbanken investiert. Im Gegenzug wurde den Banken der Kaufpreis auf dem jeweiligen Zentralbankkonto gutgeschrieben.

Spätestens seit der Finanzkrise 2008 weiß man, dass die verbrieften Immobilienkredite wegen fallender Immobilienpreise und zahlungsunfähiger Häuslebauer oft das Papier nicht wert sind, auf dem sie stehen. Die nun im Rahmen des Hilfspakets aufgekauften Wertpapiere mit einem Volumen von 200 Milliarden US-Dollar dürften aufgrund der Tatsache, dass der Lockdown gerade die realwirtschaftliche Lebensgrundlage unzähliger Häuslebauer vernichtet, hochriskante Investments sein.

Auch die sonst scheinbar sicheren US-Staatsanleihen mit einem Ankaufvolumen von 500 Milliarden US-Dollar entwicklen sich derzeit zum Hochrisikogeschäft. Die FED St. Louis rechnet bereits für das zweite Quartal 2020 mit dem Verlust von 47 Millionen Arbeitsplätzen. 32 Prozent Arbeitslosenquote, das ist schlimmer als zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise (2). Dort lag die Quote „lediglich“ bei 28 Prozent. Wie sollen die USA eine solche Krise finanzieren?

Ob bei dem Ankauf der Papiere zurzeit Risikoabschläge erfolgen und ob diese gegebenenfalls realistisch sind, ist völlig unklar. Das Ausfallrisiko für die toxischen Wertpapiere tragen in jedem Fall die Steuerzahler.

Der Ankauf hat den privaten Geschäftsbanken eine große Menge Liquidität in ihre Zentralbankkonten gespült. Allerdings und befremdlicherweise sind diese Banken nun aber nicht dazu verpflichtet, ihren Zuwachs an Bewegungsspielraum an ihre Kunden weiterzugeben. Der von der FED insinuierte innere Zusammenhang von Liquiditätsspritze für die Banken und Kreditgewährung an den kleinen Mann besteht damit gar nicht.

Geschäftsbanken schöpfen Giral- oder Buchgeld, was 97 Prozent des Geldvolumens ausmacht, bei einer Kreditvergabe gleichsam aus dem Nichts, indem sie den Kreditbetrag in ihr Buchungssystem eintippen. Sie benötigen dafür weder das Geld von den Sparkonten anderer Kunden noch Geld in nennenswerter Höhe von der Zentralbank.

Diesen Umstand hat Prof. Dr. Richard Werner im Jahr 2014 erstmalig empirisch nachgewiesen, als er bei einer sehr kleinen Bank einen Kredit in Höhe von 200.000 Euro aufgenommen und dann untersucht hat, inwieweit der Kredit, der für das kleine Bankhaus eine durchaus relevante Größe darstellte, in der Bilanz aufschien. Seine erstaunliche Erkenntnis: Der Kredit verlängerte die Bilanzsumme, war also ganz ohne Umbuchung von Sparanlagen et cetera entstanden. Prof. Werner spricht in diesem Zusammenhang von Geldschöpfung aus dem Nichts, „money out of nothing“ oder auch Feenstaub, „fairy dust“ (3).

Inzwischen räumt dies selbst die Bundesbank ganz freimütig ein: „Die weitverbreitete Vorstellung, dass eine Bank ‚auch altes, schon früher geschöpftes Buchgeld, zum Beispiel Spareinlagen, weiterreichen‘ (könne), wodurch die volkswirtschaftliche Geldmenge nicht erhöht wird, trifft nicht zu” (4).

Eine Begrenzung erfährt die virtuelle Kreditvergabe nur dadurch, dass normalerweise ein geringer Teilbetrag – in Deutschland 1 Prozent der Kreditsumme, in den USA bis zu 10 Prozent - bei der Zentralbank hinterlegt werden muss(te). Dies ist die sogenannte Mindestreserve. Dieses vergleichsweise geringe „Verlustrisiko” wird jedoch in aller Regel deutlich überkompensiert von der Chance, bei Ausfall des Kreditnehmers reale Werte übereignet zu bekommen. Banken verlangen Sicherheiten für Kredite, also das Haus, das Auto, das Schaukelpferd. Wenn der Kreditnehmer nicht mehr zahlen kann, darf die Bank diese Sicherheiten verwerten, also Grundstücke zwangsversteigern, Autos verkaufen, Pferde selber reiten.

Bemerkenswert ist allerdings: Mit Wirkung zum 26. März 2020 ist dieses sogenannte Mindestreserveerfordernis in den USA nun gänzlich entfallen (5). Die Geschäftsbanken können jetzt also ohne jeden eigenen Kapitaleinsatz Kredite in theoretisch unbeschränkter Höhe vergeben. Eine letzte Schranke sind die Eigenkapitalbestimmungen, wonach Banken einen gewissen Prozentsatz der vergebenen Kredite durch Eigenkapital unterlegen müssen (6).

Eine abschließende Bewertung, wie sich die theoretisch jetzt extrem große Flexibilität bei der Kreditvergabe auswirken wird, kann derzeit mangels Einblick in die individuelle Eigenkapitalausstattung der involvierten US-Banken nicht vorgenommen werden. Dem Missbrauch sind aber Tür und Tor geöffnet.

Aktuell entscheiden sich die Privatbanken wohl noch überwiegend fürs schlichte Horten, wie man der völlig aufgeblähten Zahlungsbilanz der FED entnehmen kann (7).

Die Banken sitzen auf prall gefüllten Kriegskassen, die dazu genutzt werden können, Lockdown-Pleiteunternehmen jeder Größenordnung aufzukaufen. Selbst für noch gesunde Unternehmen steigt die Gefahr feindlicher Übernahmen derzeit rasant.

Besonders pikant: Das Corona-Hilfspaket dient den Banken dazu, die Löcher einer sich bereits spätestens seit Mitte September, also lange vor Corona, manifestierenden Bankenkrise zu stopfen.

Spätestens seit Mitte September 2019 zeigte sich an der Entwicklung der FED-Zahlungsbilanz, dass der Bankensektor erneut in eine erhebliche Schieflage geraten war (8).

Die FED stellte dem Markt damals größere Mengen an Liquidität für sogenannte Übernachtfinanzierungen, im Bankenjargon Repo-Markt, zur Verfügung. Dies sind quasi Überziehungskredite, die sich Bankhäuser gegenseitig gewähren. Klappt die gegenseitige Gewährung dieser Kreditlinien gut, besteht Vertrauen in die Bonität der anderen Banken. Sinkt dieses Vertrauen, beginnen sehr schnell Rückzugsbewegungen. Die FED sah sich gezwungen, über Monate Zwischenfinanzierungen zur Verfügung zu stellen. Befristet war dieses Zwischenfinanzierungsprogramm bis „mindestens“ Januar 2020. Wie es danach weiter gegangen wäre, stand in den Sternen.

Die Liquiditätsspritze seit Mitte September 2019 bedeutete die Wiederaufnahme des sogenannten Quantitative Easing, obgleich der FED-Vorsitzende Jerome Powell sich damals beeilte zu versichern, dies sei kein Quantitative Easing (9), und die FED sich bemühte, die Natur des Vorgangs mit einer für Nicht-Banker sprachlich kaum mehr zu knackenden Formulierung zu verschleiern:

„Der Ausschuss wies das Desk außerdem an, mindestens bis Januar nächsten Jahres Operationen mit Laufzeit- und Übernacht-Pensionsgeschäften (Repos) durchzuführen, um sicherzustellen, dass das Reservenangebot weiterhin ausreichend ist, selbst in Zeiten eines starken Anstiegs der Verbindlichkeiten aus Nichtreserven, und um das Risiko eines Geldmarktdrucks zu verringern, der sich nachteilig auf die Politik auswirken könnte” (10).

De facto war der Kauf von die Zahlungsbilanz der FED aufblähenden Wertpapieren in einer Größenordnung von 161 Milliarden US-Dollar pro Woche ab Mitte September 2019 genau das: Quantitative Easing.

Die Dänische Nationalbank riet damals zum Erwerb von Goldbarren und schreibt bis heute auf ihrer Webseite: „Wenn das System zusammenbricht, kann der Goldbestand als Grundlage für den Wiederaufbau dienen. Gold stärkt das Vertrauen in die Stabilität der Bilanz der Zentralbank und schafft ein Gefühl der Sicherheit“ (11).

Es ist mehr als fraglich, ob die Banken nach den Erfahrungen, die der Steuerzahler mit der Hilfsmittelverschwendung gemacht hat, wie Bonizahlung an die krisenverantwortlichen Manager et cetera, überhaupt noch einmal in großem Umfang Hilfspakete erlangt hätten. Vielleicht wäre bei einer offiziellen Bankenkrise 2.0 stattdessen eher über die Verstaatlichung des Bankenwesens oder das Verbot hochspekulativer Bankgeschäfte nachgedacht worden. Zumindest wären die Hilfspakete aber mit großer Wahrscheinlichkeit mit sehr strengen Auflagen für die Mittelverwendung versehen worden. Im aktuellen Corona-Chaos guckt da nun niemand so genau hin.

Die Lockdown-Krise bot daher einen willkommenen Ausweg aus der Hilf- und Ratlosigkeit des Finanzsektors. Die FED hat sie genutzt, ihren Mitgliedern nicht nur eine Verschnaufpause zu verschaffen und großzügig die Kriegskassen zu füllen. Sie hat sie auch dazu genutzt, durch die Abschaffung der in den USA zuvor vergleichsweise hohen Mindestreserve Grundpfeiler des amerikanischen Bankensystems zu beseitigen und einer Kreditexplosion ohne jegliche Anbindung an reale Werte Vorschub zu leisten.

Wissen muss man dazu noch, dass die FED trotz ihres staatlich klingenden Namens und des von ihr verwendeten Siegels eine private Organisation ist (12). Sie gehört den 12 Notenbanken der USA und diese wiederum gehören Privatbanken. Welche diese sind, ist bis zum heutigen Tag nicht bekannt.

[Video] Friedrich & Weik: Notenbanken außer RAND und BAND (Geld drucken ohne Ende)

Quellen und Anmerkungen:

(1) https://www.federalreserve.gov/newsevents/pressreleases/monetary20200315a.htm
(2) https://www.stlouisfed.org/on-the-economy/2020/march/back-envelope-estimates-next-quarters-unemployment-rate
(3) https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1057521914001070
(4) https://www.bundesbank.de/resource/blob/614528/1fad6735c298fa9aed9b58f288219dc5/mL/haeufig-gestellte-fragen-geldschoepfung-data.pdf, Seite 4
(5) https://www.federalreserve.gov/monetarypolicy/reservereq.htm
(6) https://www.bankingsupervision.europa.eu/about/ssmexplained/html/hold_capital.de.html
(7) https://fred.stlouisfed.org/series/WALCL
(8) https://www.cadtm.org/Another-look-at-the-Federal-Reserve-s-panic-in-September-2019-and-solutions-to
(9) https://www.youtube.com/watch?v=NQSBDWKchIs
(10) https://www.newyorkfed.org/markets/opolicy/operating_policy_191011
(11) https://www.dnb.nl/de/payments/goud/index.jsp
(12) https://files.eric.ed.gov/fulltext/ED175743.pdf


Lizenz: Dieses Werk ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen. Original übernommen von rubikon.news (https://www.rubikon.news/artikel/das-letzte-gefecht-2)

Autoren: Erik R. Fisch, Jens Wernicke


[Eigene Anmerkung] 

Was können wir daraus lernen? Eigentlich das, was wir immer schon hätten wissen müssen: von den Finanzkatastrophen kann man durchaus profitieren, wenn man "das System" kontrolliert. Das sind aber nicht die Bevölkerungen der einzelnen Staaten, sondern lediglich ein paar wenige Oligarchen an der Spitze. Wer glaubt denn ernsthaft, ein Versager wie Trump hätte es aus eigener Kraft in sein Amt geschafft und wäre dort - nach all den Lügen und Verbrechen - auch vier Jahre verblieben? Er ist eine - wenn auch strunzdumme - Marionette der hinter ihm stehenden Großkonzerne, die in den USA längst das Sagen haben. Den wirtschaftlichen Niedergang, die Abschaffung der sozialen Netze, den steilen Anstieg der prekären Arbeitsverhältnisse und McJobs kann man sich nicht anders erklären.

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